VARIO
Sky Dragon
Ein preiswerter 3D-Hubi

Anfang des Jahres 2000 kaufte ich einen Schweizer 300 von Graupner. Schon bald stellte sich heraus, dass die Hubis mit 32er Motoren (5,5ccm) nicht für kraftvollen Flug geeignet sind. Aus diesem Grund bauen auch viele Piloten ihre Ergo-30 zu Ergo-50 um. Ähnliche Erfahrungen wurden mir vom Raptor und Nexus berichtet, die auch oft gerne mit leistungsstärkeren Motoren ausgerüstet werden. Leider sind solche Umbauten mit größeren Schwierigkeiten verbunden. Daher entschied ich mich im Januar zum Kauf eines gebrauchten Ergo-50. Dieser Hubi läuft bis heute einwandfrei und macht viel Spaß. Mit ihm machte ich meine ersten erfolgreichen Rückenflugversuche. Nachdem ich den leistungsschwachen Schweizer-300 verkauft hatte, stand etwas Budget für den Kauf eines neuen Hubis zur Verfügung. Ein 60er war mir zu teuer, so gut sind meine Rückenflugkenntnisse noch nicht. Da kam es wie gerufen, dass die Firma Vario den Sky Dragon zu einem Sonderpreis anbot.


* Der Aufbau
* Fliegen

Ausstattung:

Motor:       Webra 8,5ccm
Servo        Taumelscheibe: C4421
Servo        Heckrotor: DS8417
Kreisel:     GY401
Akku:        4 Zellen RC2000
Akkumonitor: Blinki MC+
Schalter:    Sicherheits-FET Schalter
Blätter:     GFK Blätter


Der Aufbau

Der Sky Dragon ist ein fast vollständig getunter Hubschrauber der 50er Klasse, der den bewährten Rotorkopf des X-Treme besitzt. Drucklager, Kugellager an allen denkbaren Stellen und CFK Starrantrieb sind bei diesem Hubi in der Serienausführung inbegriffen. Und das alles zusammen mit einem 8,5ccm Webra Motor für einen unschlagbar günstigen Preis. Günstige Preise war ich von Vario bislang nicht gewöhnt, ein Grund mehr um sofort zuzuschlagen.

Der Baukasten kam in gewohnt perfekter Vario Qualität. Die Bauteile waren teilweise vormontiert (Rotorkopf) und sauber in verschiedene Tütchen verpackt.

Skyd_chassis.jpg (42078 Byte) Der Aufbau begann mit dem Antriebsstrang und dem Chassis. Als Bauanleitung liegt eine mehrseitige Sammlung aus Explosionszeichnungen bei. Leider gibt es keinerlei Übereinstimmung der Bauanleitung mit den Tütchen der Verpackung, sodass erst einmal ein längeres Suchen nach den richtigen Teilen beginnt. Zudem gibt die Bauanleitung nicht immer die Reihenfolge des Zusammenbaus vor, weshalb oftmaliges Vor- und Zurückblättern angesagt ist.

Für jemanden der schon Hubis gebaut hat ist das kein Problem, ein Anfänger dürfte mit dieser Anleitung aber Schwierigkeiten haben da er die richtigen Teile kaum zusammenfinden wird. Nachdem man sich daran gewöhnt hat, geht der Aufbau aber zügig voran. Obiges Bild zeigt das Chassis mit eingebautem Motor. Als einziges Tuningteil habe ich ein Delrin Glockenzahnrad eingebaut, das originale Plastikzahnrad schien mir für einen 3D Hubi zu unstabil. Der Motor ist, wie bei allen Hubis der Sky Fox Serie, hängend eingebaut. Die Kupplung ist über einen stabilen Zahnriemen mit dem Hauptgetriebe verbunden. Der Abstand zwischen Kupplung und Getrieberad beträgt dabei nur ca. 0,3mm. Laut Auskunft von Vario ist das jedoch kein Problem, was sich später auch bestätigt hat.

Das Einstellen der richtigen Zahnriemenspannung war ein ziemliches Geduldspiel. Durch unterlegen von Passringen unter den Motor, kann man die Spannung einstellen. Ist sie zu gering, so besteht die Gefahr, dass die Kupplung am Hauptzahnrad streift. Ist sie zu straff, so wird durch die hohe Spannung der Freilauf so belastet, dass er schwergängig wird. Es war aber möglich den richtigen Kompromiss zu finden. Der Freilauf ist immer noch schwergängig. Bei späteren Flügen hat sich aber herausgestellt, dass das völlig in Ordnung ist. Auch hier hätte ein Hinweis in der Bauanleitung sicher ein bis zwei Stunden gespart.

Das Chassis ist im zusammengebauten Zustand überaus stabil und vertrauenserweckend.

skyd_kopf.jpg (44361 Byte) Der Rotorkopf sieht bis auf ein paar Details dem Rotorkopf des X-Treme sehr ähnlich. Die Qualität dieses Kopfes ist über jeden Zweifel erhaben. Alle Teile sind perfekt gefertigt, passen und sind leichtgängig und spielfrei zugleich.

Im Gegensatz zum Ergo-50 kann dieser Rotorkopf große positive und negative Pitchwerte durchfahren. Die mechanischen Grenzen dürften bei ca. + - 15 Grad liegen. Die üblichen + - 9 Grad sind natürlich kein Problem. Die Alu-Taumelscheibe wird von drei Servos angelenkt, wobei die Rollservos direkt und das Nickservo auf einer Wippe montiert sind. Die Ansteuerung ist komplett kugelgelagert und so gut, dass ich dem Sky Dragon Digitalservos DS8231 spendiert habe.

skyd_heck.jpg (67676 Byte) Der Heckrotor wird mit einer CFK Welle angetrieben. Das Bild zeigt das extravagante Seitenleitwerk, das eigentlich nur mehr zur Abstützung und zum Schutz des Heckrotors dient. Da es praktisch keinen Windfahneneffekt mehr hat, steht es bei Rückwärtsflügen nicht mehr im Weg. Diese Aufgabe übernimmt ein ICG360 Gyro im Heading-Hold Modus.

Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass auch der Heckrotor vollständig kugelgelagert und spielfrei ist. Auch hier erinnert wieder viel an den X-Treme. Dass der Sky Dragon trotz viel niedrigeren Preises ebenfalls über diese Präzision verfügt freut mich und meine Geldbörse besonders.

skyd_tank.jpg (49609 Byte) Dieses Bild zeigt den großzügig dimensionierten Tank und den transparenten Kühlschacht des Motors. Nach 12 Minuten Flugzeit ist der Tank immer noch halb voll. Der Motor wird (nach dem Einlaufen) bei 20 Grad Lufttemperatur ca. 85 Grad warm. Das ist natürlich auch abhängig von der Einstellung der Düsennadel und des Resorohrs.
Skyd_resorohr.jpg (85465 Byte) Das Resorohr wird mit einer Halteklammer am Heckrohr fixiert und hält damit bombenfest.
skyd_elek.jpg (59933 Byte) Für die Elektronik ist reichlich Platz im Vorbau vorhanden. Alle Kabel habe ich sauber mit Spiralschlauch umwickelt. Als Stromversorgung kommen 4 Stk. RC2000 und ein Hochsicherheitsschalter zum Einsatz.
skyd_nackt.jpg (73963 Byte) Hier der fertige, noch nackte, Hubi. Der Aufbau hat Spaß gemacht und war in zwei Wochenenden erledigt.
skyd_fertig.jpg (75479 Byte) Nach erfolgter Einstellung der Pitchwege und der Heckrotoranlenkung war der Sky Dragon einsatzbereit. Dieses Bild zeigt das "drachenähnliche" Design der Kabinenhaube mit kräftig roten Aufklebern, wie ich finde, ein schönes Design.

Fliegen

Mit Webramotoren habe ich so meine Erfahrungen. Daher bin ich beim Einlaufen ganz besonders sorgfältig. Das von OS Motoren gewohnte schnelle Einlaufen und Vollgasfliegen, ist für Webramotore der sichere Hitztod. Daher schwebte ich den Sky Dragon erst mit 1 Litern Sprit sehr fett ein, so fett dass er kaum abheben konnte. Danach drehte ich die Düsennadel immer einige Rasten weiter zu. Dabei wurde die Motortemperatur laufend mit einem digitalen Thermometer gemessen, Sobald sie deutlich über 100 Grad anstieg, wurde die Düsennadel sofort wieder fetter gestellt. So "flog" ich ca. 3 Liter Sprit bis die Düsennadel fast in normaler Stellung war. Dann begannen kräftigere Rundflüge. Nach weiteren 2 Litern Sprit war der Motor eingelaufen und konnte voll belastet werden. Bisher läuft er sehr zuverlässig. Während des Einlaufens flog ich mit den Holzblättern, danach mit den optionalen GFK Blättern.

Von Anfang an erstaunte mich das angenehm leise Motorgeräusch des Sky Dragon. Er ist sogar leiser als mein X-Treme, der ja ein Flüsterheli sein soll. Vielleicht liegt das ja auch an der Einstellung. Ich fliege mit 1600 U/min, mit deutlich rauchendem Resorohr.

Eine Pitcheinstellung von +9 bis -9 Grad zieht der Motor ohne Probleme durch. Voll-Pitch Steigflug ist ebenso wenig Problem wie kraftvolle Flugfiguren. Auch bei 4 Überschlägen direkt hintereinander bleibt die Drehzahl konstant.

Ich brauchte ca. 4 Flüge um mich an den Sky Dragon so richtig zu gewöhnen. Er fliegt etwas stabiler als der Ergo-50 obwohl er bei vollen Nick/Rollausschlägen sehr direkt und schnell reagiert. Wenn ich zum Beispiel in 30m Höhe schwebe und voll Nick ziehe, macht er sofort ohne irgendwelches Zögern einen schnellen Überschlag. Diese Kombination aus stabilem Flugverhalten und agilen Steuerreaktionen machen wohl einen guten3D Heli aus. Diese Eigenschaften kann ich dem Sky Dragon bestätigen.

Am 2.September 2000 flog ich bei sehr starkem Wind. Alle Flächenpiloten auf unserem Platz hatten bereits aufgegeben. Ich verheizte hingegen fast 2 Liter Sprit. Dem Sky Dragon war der starke Wind im Flug kaum anzumerken. Natürlich beschleunigte er in Windrichtung schneller. Seitenwind machte im aber nichts aus. Im Schwebeflug reagierte er mit leichtem Sinken oder Steigen auf die Windböen, dabei war er deutlich stabiler als der Ergo-50 bei gleichem Wind. Vermutlich kommt das vom etwas höheren Gewicht (4,5 kg, der Ergo hat 3,8 kg). Dank des Heading-Hold Kreisels waren trotz Windböen problemlose Loopings, Rollen und Turns möglich. Nur die Rückenflugpassagen reduzierte ich aufgrund meiner noch geringen Übung auf ein Minimum.

Der Sky Dragon erfüllt meine Erwartungen voll. Wenn es Vario auch noch schafft ausführlichere Bauanleitungen zu schreiben, dann bleiben keine Wünsche mehr offen.

Bemerkungen zu Motor und Resorohr:

Der Sky Dragon hat eine Getriebeübersetzung von 9,82.

Bei einer Kopfdrehzahl von 1630 U/min läuft der Motor mit 16000 U/min. Das ergibt eine ungefähre Resorohrlänge von 37 cm.

Erste Generalwartung nach 1 Jahr:

Diese Wartung wurde mir aufgezwungen, da sich das Getriebe verabschiedet hatte. Die oben erwähnte extrem kritische Montage des Motors mit Hilfe von Passscheiben  hat im Laufe eines Jahres beide Riemenräder sowie den Zahnriemen so stark abgenutzt, dass an Fliegen nicht mehr zu denken war. Nach Auswechseln der Teile begann die schwierige Montage des Motors. Zum Glück hatte ich genug Vario Passscheiben mit 0,1mm vorrätig. Ich baute den Antrieb 3x zusammen, bis es einigermaßen passte. Der Riemen ist leider etwas straff. Weniger kann ich ihn aber nicht spannen, da sonst die Zahnriemenscheibe an der Kupplung schleifen würde. Mir ist schon immer aufgefallen, dass die Ölrückstände im Gebläsetunnel sehr schwarz sind. Jetzt weiß ich, dass diese Farbe vom Abrieb des Zahnriemens kommt. Trotzdem hält der Zahnriemen enormen Belastungen stand.

Die Riemenspannung belastet den Freilauf, der dadurch schwergängig wird. Autorotationen sind zwar trotzdem möglich, die Leistungsreserven werden aber teilweise vom Freilauf beeinträchtigt.

Bei dieser Gelegenheit überprüfte ich auch die anderen Teile, hatte aber keine weitere Wartung zu machen. Alle anderen Getriebeteile laufen sauber wie gewohnt.

Die ersten Flüge mit dem neu eingebauten Getriebe zeigten eine Überraschung: Die Ölrückstände sind nur glasklar, von der schwarzen Brühe keine Spur mehr. Offensichtlich habe ich den Motor jetzt irgendwie günstiger eingebaut, sodass es keinen Abrieb mehr gibt. Ich weiß zwar nicht was ich besser gemacht habe, aber egal, Hauptsache es funktioniert jetzt.

Wechsel der Rotorblätter:

Im Juni 2001 wechselte ich auf neue Rotorblätter: MS-Composit, Doppel-S-Schlag, vollsymmetrisch.

Der Doppel-S-Schlag verspricht gute Leistungen, sowohl in Normal- als auch in Rückenlage. Tatsächlich bemerkte ich, dass der Motor bei heftigen Manövern nicht mehr einbrach, wie ich es vorher mit den alten Blättern festgestellt hatte. Offensichtlich spart das Profil Motorleistung. Ich konnte den Pitch um ein gutes Grad erhöhen, ohne dass der Motor in Schwierigkeiten kommt. Die Stabilität des Hubis ist sehr gut, was sich im Schweben angenehm bemerkbar macht. Rückenflug geht auch sehr sauber. Loopings und Rollen sind ähnlich grausam wie mit den alten Blättern, was aber eher daher kommt, dass der SkyDragon keine besonders hohe Fahrtgeschwindigkeit erreicht wie sie für solche Figuren angenehm wäre.  Hier sind wahrscheinlich bessere Flugkünste gefragt.

Inzwischen habe ich das Resorohr so eingestellt, dass er mit ca. 1650 U/min dreht (vorher hatte ich auf 1500 zurückgenommen, um nach den Empfehlungen von Webra den Webra-50 zu schonen). Mit dieser höheren Drehzahl fliegt er auch mit den MS Blättern gut. Drehzahlen um die 17-1800 wären wahrscheinlich wünschenswert.