Three-Dee-NT
Der Jahrhundertcrash zu Weihnachten

Crashs gab und gibt es viele. Was sich aber heute auf unserem Flugplatz abgespielt hat verdient schon besonderer Erwähnung:


Der Tag begann wie viele andere Flugtage, bei vernünftigen Temperaturen von 5 Grad (Ende Dezember) und natürlich grau verhangenem Himmel.

Der 3D-NT wurde aufgetankt und flugbereit gemacht. Nach verschiedenen Tests mit ein paar Glühkerzen landete ich schließlich bei der Rossi R4, da gerade keine Enya-4 zur Hand war. Damit lief der Motor aber sauber durch und machte keine Probleme, eigentlich genauso gut wie mit der R6, aber das ist ein anderes Thema.

Nach kurzem Herumschweben begann ich mit größeren Fahrtfiguren. Herrlich wie große Loopings man mit dem NT machen kann. Mit irrem Speed angeflogen katapultiert es ihn fast von selbst hinauf um dann in großem Bogen den Looping zu beenden. Danach gleich in den Rückenflug und ein paar Rollen und Achten.

Es ist schon ein Genuss mit welcher gigantischen Geschwindigkeit der NT auf Steuerkommandos reagiert und die Figuren ausführt. Natürlich verlangt das auch entsprechende Reaktionen des Piloten. Sekundenschlaf am Steuerknüppel ist hier nicht gefragt.

Bei einer dieser großräumigen Figuren flog ich sehr weit weg, für dieses trübe Winterwetter zu weit. Es kam wie es kommen musste, ich verlor beim Ausleiten des Rückenflugs plötzlich die Übersicht über die Stellung des NTs in der Luft. Verflixt, wo ist denn nun hinten und vorn, oben und unten, schoss es mir durch den Kopf. Ich konnte die Fluglage einfach nicht mehr erkennen. Wie gesagt, der NT führt sämtliche Kommandos unverzüglich durch, leider auch falsche. Wie ich hilflos an den Knüppeln rührte näherte sich der Erdboden mit unglaublicher NT-Geschwindigkeit.

Als ich den Hubi kaum noch über dem Boden sehen konnte, erwartete ich schon das erlösende Wwuuummmmmm, das den Einschlag in den vom Regen aufgeweichten Boden bestätigen würde.

Es war glaube ich 1/100 Sekunde vor diesem Einschlag, als ich plötzlich erkannte, dass der Hubi in Rückenlage war und ich schob intuitiv den Pitchknüppel auf Minimum. Der erwartete Knall blieb aus als sich der NT durch den negativ-Pitch sehr schnell in die Höhe katapultierte, aber es war zumindest ein eigenartiges sägeähnliches Geräusch zu hören. Mit einem Adrenalinspiegel, der für jeden Hausarzt Grund genug wäre den Notdienst anzurufen, bekam ich den NT irgendwie unter Kontrolle und konnte ihn wieder in Richtung Flugplatz zurücksteuern.

Dabei bemerkte ich, dass das Heck schlecht steuerbar war und der ganze Hubi ein eigenartiges schabendes Geräusch machte.

seitenl.jpg (25494 Byte) Was war passiert ?

Der Crash war bereits viel näher als es den Anschein hatte. Kurz vor dem, noch verhinderten Aufschlag, bohrte sich bereits das Heck in den weichen Acker. Dieses Bild zeigt das Seitenleitwerk, welches bereits ca. 4cm tief im Erdboden gesteckt haben musste. Das Höhenleitwerk brach dabei ab, ist zwar vermutlich unbeschädigt, konnte aber nicht mehr gefunden werden.

blaetter.jpg (9966 Byte) Als sich das Heck in den Erdboden bohrte, brach die Hecksteuerbrücke und ein Heckrotorblatt war völlig lose und nicht mehr angelenkt. Das andere Heckrotorblatt war noch korrekt befestigt. So flog ich also mit nur einem gesteuerten Heckrotorblatt zum Flugplatz zurück, was erstaunlicherweise ganz gut klappte.

Das schabende Geräusch kam vom Delrin-Heckantriebsrad, welches einigen Zahnausfall zu beklagen hat, ein Beweis dafür, dass der Heckrotor bereits im Boden steckte und blockierte. Beide Heckrotorblätter sind auch bis zur Hälfte mit Erdreich verschmiert.

Abgesehen von der Hecksteuerbrücke und dem Zahnrad sind keinerlei Schäden aufgetreten.

Ich glaube das war das tiefste Rückenschweben, das ich bisher gewagt hatte. Man könnte auch sagen: dieses riesige Glück hat mir heute einen Hubi geschenkt, und das zu Weihnachten.