Fliegen mit dem Futura Nova

Dass der Futura Nova eine ähnliche Flugkultur haben wird wie der Millennium ist zu erwarten. Trotzdem bleibt es immer spannend, da kein Hubi dem anderen gleicht.

Die Einstellung:

Aus langer mühsamer Erfahrung beim ersten Starten des Motors mit dem Millennium habe ich gelernt. Beim Mille hatte ich sehr lange mit Überfetten und Absaufen zu kämpfen. Das Herausschrauben der Kerze und Freiblasen des Zylinders  hat sich fast zur Standardprozedur entwickelt.

So darf es diesmal nicht sein: Weil OS Motoren in der Fabrikeinstellung extrem zu fett sind, habe ich als erstes bereits vor dem ersten Start die Leerlaufschraube um eine viertel Umdrehung geschlossen. Außerdem wurde die Mittelgasschraube völlig geschlossen. Die Hauptdüsennadel wurde 2 1/4 Umdrehungen geöffnet. Die originale Hauptdüsennadel habe ich gegen die beiliegende alternative Düsennadel getauscht. Diese ist besser für unseren Sprit geeignet. Damit sollte der Motor zwar fett, aber nicht überfett laufen.

Es ist für einen OS Motor ganz schlecht, ihn schon beim ersten Start zu ersäufen ! In der guten Absicht den Motor sehr fett einlaufen zu lassen, öffnete ich bisher die Düsennadel viel zu weit. Das ist nicht notwendig ! Die obige fette, aber bereits flugfähige Einstellung ist mehr als fett genug zum Einlaufen.

Als Sprit benutze ich meinen Standardsprit, Topsprit mit 15% Nitro und 15% Carbulin. Ein spezieller Einlaufsprit ist für diesen Motor nicht erforderlich.

(Vorsicht, diese Anmerkung gilt nur für die präzise gefertigten OS Motore mit Ringgarnitur ! Für andere Fabrikate muss eine andere Einlaufprozedur gewählt werden ! So braucht Webra z.B. einen Sprit mit 20% Rizinus, sowie eine erheblich fettere Einstellung !)

Der Erstflug:

Am 3.10.2001 ging es mit obiger Einstellung auf das Flugfeld. Der Tank wurde 3/4 gefüllt, gerade so, dass kein Sprit von selbst in den Vergaser laufen kann. Auch das ist eine Vorsichtsmaßnahme gegen das sehr unangenehme Volllaufen des Zylinders mit Sprit. Beim Tanken wurde der Schlauch vom Tank zum Motor ebenfalls gefüllt, damit der Motor nicht lange ansaugen muss und schnell Sprit bekommt.

Als Glühkerze habe ich die beiliegende OS-8 eingesetzt. Glühakku anschließen, Starter aufsetzen und starten. In nur wenigen Sekunden sprang der OS61 an und lief ... viel zu schnell ... der Leerlauf war zu hoch eingestellt. Während ich den Rotorkopf mit der linken Hand festhielt, stellte ich den Leerlauf auf der MC24 niedriger (Gebereinstellungen, Geber-12). Bald lief er mit der richtigen Drehzahl sauber durch. Das Zudrehen der Leerlaufnadel hatte sich bewährt. Im Leerlauf war keinerlei Überfetten feststellbar.

Jetzt ist aber Eile geboten: Es ist gar nicht gut, einen neuen Motor ewig im Leerlauf herumtuckern zu lassen. Zu schnell überfettet er, die Kerze wird verölt und er bleibt stehen, worauf eine mühsame Reinigungsprozedur folgen würde. Sobald der Motor zum ersten Mal läuft, ist es ratsam ihn möglichst schnell auf eine sichere Drehzahl zu bringen.

Also stellte ich den Nova aufs Flugfeld, entfernte mich ein paar Meter und gab langsam (!) Gas. Bei jedem Ruck am Gasschieber, beobachtete ich den Motor, ob er zu überfetten droht. In diesem Fall müsste man sofort Gas leicht zurücknehmen damit er nicht ausgeht. Aber es war alles ok, die Grundeinstellung perfekt.

Der Motor nahm Drehzahl auf und der Rotorkopf begann sich zu drehen. Bald hatte er eine Drehzahl von 1600 U/min, lief sauber durch und hatte ab und zu ein kurzes Viertaktern, lief also ausreichend fett.

Hier muss ich noch eine Bemerkung zum Einlaufen los werden. Normalerweise stellt man ihn so ein, dass der Motor ausschließlich viertaktert, also extrem fett läuft. Erst nach ein paar Tankfüllungen stellt man ihn langsam immer magerer. Diese Prozedur hat sich aber in meinen Hubis bisher nicht bewährt. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, den Motor nur so fett einzustellen, dass er als Zweitakter läuft, und nur hin und wieder ein Viertaktern auftritt, was man gut hört, und an Heckzuckern sehen kann. Auf diese Art laufen die OS Motoren viel schneller ein und man vermeidet unnötiges und schädliches Absaufen des Motors während der Einlaufprozedur.

Mit dieser Einstellung konnte ich bereits schweben und leichte Rundflüge machen. Ich flog sehr sanft, mit wenig Pitch um den Motor nur wenig zu belasten. Zwischendurch ein paar Landungen bei denen ich die Drehzahl mit der Gasvorwahl reduzierte. Auf diese Art lief der Motor mit der Tankfüllung ca. 14 Minuten lang. Ich flog den Tank völlig leer. Kurz bevor er leer war, ein kurzes aufheulen der Drehzahl (weil der Motor mager wurde) und schließlich blieb er stehen. Jetzt war die Motortemperatur interessant: 80 Grad. Alles im grünen Bereich. Diese Einlaufprozedur kann als geglückt bezeichnet werden.

Jetzt noch einige Tanks mit dieser Einstellung und dann wird langsam die Hauptdüsennadel zugedreht bis er nicht mehr Viertaktert und der Motor voll belastet werden kann.

Erster Kunstflug:

Am 4.Oktober 2001 war der Motor nach einigen fetten Tankfüllungen soweit, dass er normal eingestellt werden konnte und langsam mit etwas kräftezehrenderen Gangarten begonnen werden konnte. Es stellte sich dabei ein Problem heraus: In Normallage lief er ziemlich gut, in Rückenlage überfettete er stark. Das war so deutlich, dass ich nur kurz am Rücken flog, da ich Angst bekam dass er ausgeht. Plötzlich zum dritten Flug ließ sich der Motor nicht mehr starten: Glühkerze kaputt. Die Wendel war offensichtlich während des letzten Flugs gerissen.

Das Überfetten und die defekte Glühkerzen, das deutet unter Umständen auf Frühzündungen hin. Also montierte ich eine etwas kältere Rossi R6. Das wars ! Der Motor lief jetzt in allen Lagen sauber durch, kein Überfetten mehr, kein Gurgeln am Rücken. Offensichtlich war die OS8 doch zu heiß für die 15% Nitro. Inzwischen fliege ich alle meine 10ccm Motore mit der Rossi R6 und bin mehr als zufrieden damit, da außer der Leistung auch der Preis stimmt. Mit der teuren Enya läuft er zwar auch gut, aber ich sehe keinen Vorteil in der Enya, außer dass sie dreimal so viel kostet.