Tiger
Action am Modellflugplatz !

von Günter Schneider aus Bayern

Bau und Flugbetrieb eines voll einsatzfähigen Scale-Tiger Kampfhelicopters

Wie alles begann :

Ich war ein begeisterter Flächenflieger mit allen Vorbehalten gegen den Modellhubschrauber ( Glump, Graffel, laut, stinkend, zu gefährlich usw.). Bis dahin vertrat ich auch die Meinung, daß meine Fernsteuerungskomponenten zu schade für einen Hubschrauber seien. Der Wechsel in das Lager der Heliflieger erfolgte nach einer durchgefeierten Nacht durch die Konditonierung meines bis dahin einzigen Hubschrauber fliegenden Bekannten.

Aber nach jener besagten Nacht wurde gleich am nächsten morgen ein gebrauchter Champion der Firma Schlüter gekauft. Ab diesem Zeitpunkt - vor ca. zehn Jahren - bin ich dem Reiz des Modellhubschraubers erlegen.

Durch den Bau diverser Rumpfmodelle erwachte irgendwann der Wunsch, einen eigenen Rumpf, der bis dahin noch nicht auf dem Modellbaumarkt erhältlich war, selbst herzustellen.

Angeregt durch die Titelseite der Zeitschrift FLUG REVUE Ausgabe Nr.4/April1991, die die Seitenansicht des neuen Kampfhubschrauber PAH-2 zeigt, faßte ich den Entschluß, dies wird mein Hubschrauber.


Die Vorbereitung:

Wünsche und Entschlüsse sind schnell gefaßt, aber die Realisierung eines solchen Projektes bedarf einiges mehr an Anstrengungen, wie zum Beispiel Beschaffung von Unterlagen zur Erstellung des Modells.

Flug über Wasser: Bild Anklicken zum Vergrößern

Ich konnte glücklicherweise den Bausatz eines Plastikmodells des Tiger kaufen. Dies war meine Ausgangsbasis für die Konstruktion des Rumpfes, der für den Einbau einer Sky-Fox Mechanik gedacht war. Nach der Vergrößerung des Plastikmodells entstanden die Segmente eines Styropormodelles.

Im Laufe der Zeit erschienen in der Fachpresse immer wieder Veröffentlichungen über den Tiger. Hierbei mußte ich feststellen, daß zwischen dem Original und dem Plastikmodell doch erhebliche Unterschiede bestanden.

 

 

Zur Erstellung von Negativformen für den Bau von GFK-Rümpfen wurden die neuesten Unterlagen zur Herstellung des endgültigen Urmodells berücksichtigt. Nach längerer Vorbereitungszeit waren die Urmodelle von Rumpf, Waffenträgern, Kabinenhaube und diversen Abdeckungen zur Abformung bereit. (Anmerkung von Kurt: ich habe die Urformen und die ganzen Utensilien zur Herstellung des Rumpfes gesehen. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie man so etwas schaffen kann. Eine gewisse künstlerische Ader und ruhige Hand ist auf jeden Fall notwendig um so ein Projekt fertigzustellen).

Irgendwie hatte ich durch die Verzögerungen des Projektes keine Lust mehr am Aufbau der Formen. Die Urmodelle wurden eingelagert. Ich begann ein neues Projekt, den Bau eines Großmodelles BO 105 mit 2,8m Rotordurchmesser ( Infos dazu vielleicht in einem eigenen Beitrag). Ein Besuch beim Heli-Scalewettbewerb in Linz (Österreich) motivierte mich das Projekt des Tiger fortzuführen. Ich konnte zwei Kollegen des MSV Landau an der Isar für das Projekt gewinnen.


Die Realisierung:

Für die Heckgetriebeabdeckung und die Fahrwerksverkleidung sowie die Radarsensoren mußten noch teilweise Urmodelle und GFK-Formen hergestellt werden. Im Winter 1998/99 wurden aus den Formen drei Rümpfe des Tigers mit Anbauteilen erstellt. Zur Verwirklichung eines Scale Fahrwerkes erstellte Kollege Klaus Schweikl die Zeichnungen und Formen. Der Helikollege Alois Aigner entwickelte die erforderlichen Spanten zur Aufnahme der Mechanik und des Heckgetriebes.

Ursprünglich hatte ich für den Einsatz eine SKY-FOX Mechanik vorgesehen. Bei einem Rumpf von 135mm Breite störte uns jedoch das erforderliche Abluftloch der Sky-Fox Mechanik zu sehr, so das wir auf die Graupner Uni Expert Mechanik auswichen. Für den Einsatz im Tiger erfolgte eine Modifikation der Mechanik.

Die Mechanik sollte am Rumpfboden verschraubt werden. Dadurch war es erforderlich, die Hauptrotorwelle der Höhe des Rumpfes (37cm) anzupassen. Damit einhergehend, wurde aus einem Aluvierkantprofil eine Domverlängerung mit einem zusätzlichen Lager für die Hauptrotorwelle hergestellt. Somit wird die Hauptrotorwelle durch drei Lager geführt.

Die Seitenteile wurden im Bereich der ursprünglichen Anbindung der Kufenböcke begradigt und die Kufenböcke selbst an anderer Stelle befestigt. Nun erfolgte noch die Kürzung des Heckspantes, womit erreicht wurde, daß die Mechanik eben auf der Bodenplatte aus Sperrholz im Rumpf aufliegt.

Bei der Konzeption des Tigers ging ich davon aus, daß ein Komplettausbau der beiden Cockpits möglich sein soll. Um diese Forderung zu erfüllen, mußten die Seitenteile um die Tankaufnahme gekürzt werden. Der Tank kann durch diese Maßnahme unter dem hinteren Cockpitboden verstaut werden. Der UNI typische Heckabtrieb mittels Welle mit Gabel mußte einer Klauenkupplung für 6mm Edelstahlrohr Starrantrieb weichen.

In dieser Ausführung läßt sich die Mechanik komplett mit montiertem Resorohr und in den Seitenteilen integrierten Servos aus- und einbauen. Für den Heckantrieb verwenden wir von Robbe/Schlüter das Winkelgetriebe aus der alten BK117(ist noch lieferbar).

Auf das Gebläse der Uni Mechanik wurde eine Ansaugverlängerung, die bis zur Domhaube reicht, aufgebaut.

Schweben am See: Bild Anklicken zum Vergrößern

Als weitere Aufgabe stellte sich die Kabinenhaube dar. Aufgrund der markanten Form schied das Tiefziehen von Hand aus. Hier wurde auf professionelles Know-how zurückgegriffen. Mit der Firma Ulmer in Willmandingen hatte ich bereits beste Erfahrungen beim Tiefziehen der Verglasung der großen BO105 gemacht. Die Tiger Kabinenhaube stellte für den Tiefziehprofi H. Ulmer kein Problem dar. Nach Einstellung der Arbeitsparameter an der Vakuum-Tiefziehmaschine konnten die Teile innerhalb kurzer Zeit gefertigt werden.

Es fehlte noch der Kabinenhaubenrahmen. Nachdem es sich bei den Modellen um Einzelstücke handelt, entschieden wir uns für Kiefernleistenstückwerk. Der erste Rumpf war bereits bei der Herstellung schwarz eingefärbt worden. Auf eine Lackierung für die ersten Testflüge konnte verzichtet werden.

 

Alois Aigner hatte diesen Rumpf als erster flugfertig. Das Modell stand nun zur Erprobung bereit. Vollgetankt ergab sich ein Abfluggewicht von 6,0 Kg. Es ist ein Augenschmaus wenn während des Abhebens des Hubschraubers der Stoßdämpfer langsam den Längslenker mit Rad in die Flugendposition drückt. Bei den ersten Schwebeflügen verabschiedete sich jedoch das Tellerzahnrad. Der Hubschrauber konnte noch sicher gelandet werden und überstand den Ausfall ohne weiteren Schaden.

Die Zahnflanken des Heckabtriebs waren zur Seite geneigt. Als Ursache vermuteten wir ein zu groß eingestelltes Zahnflankenspiel des Heckritzels. Um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen verbaute Alois die verstärkte Variante des Tellerzahnrades von Graupner nunmehr mit exakt eingestellten Zahnflankenspiel. Nach längeren Schwebeflügen mußten wir feststellen, daß die Temperatur im Rumpf doch erheblich anstieg. Vielleicht war die Temperaturbelastung mit schuld am Ausfall des Tellerzahnrades. Wir entschlossen uns zusätzliche Entlüftungsöffnungen im Rumpfboden anzubringen und damit das Ausfallrisiko zu minimieren. Während der Testflüge stellte sich noch ein defektes Servo ein. Das Servo steuerte unkontrolliert durch leichtes zucken die Taumelscheibe an. Dies führte dazu daß das Höhenruder stark zu schwingen begann. Ansonsten lief bisher alles ohne Bruch ab. Der Tiger gibt im Flug ein einmalig prägnantes Flugbild, das den Bauaufwand schnell vergessen läßt.


Der Tiger im Einsatz:

Es macht schon unheimlich viel Spaß zu sehen wie der Tiger beim Anstellen aus dem Schwebeflug heraus Fahrt aufnimmt und dann seine Runden dreht. Besonders begeistert mich die Rolle abwärts mit dem Tiger.

Das Modell wurde noch mit Nieten und Schrauben, sowie den Wartungsklappen entsprechend des Originals versehen und lackiert.

Die folgenden Bilder muss man im Grossen genießen. Daher bitte anklicken:

Tiger unter Feuer.jpg (13604 Byte) Der Tiger im hohen Vorbeiflug. Die Bordraketen wurden abgefeuert. Das Flugverhalten ist auch hier einwandfrei und der Tiger hängt gut am Knüppel. Die kleinen Feuerwerkskörper fliegen bei guter Abschußstellung gute 100m weit.
Tiger im Feuern.jpg (30578 Byte) Hier ein Bild vom Tiger im vollen Bodeneinsatz. Ein wahres Spektakel aus Licht und Feuer. Zusammen mit dem Sound ist das die ideale Vorführung für Nachtflüge zu Silvester.

und bevor jemand auf die Idee kommt mir zu schreiben, dass er keine Kampfhubis mag: die Bilder mit Raketenabschüssen wurden am letzen Silvester aufgenommen, wo sowieso in jeder Ecke herumgeballert wurde. Ansonsten ist der Tiger bei ruhigen Scale-Vorführungen im Einsatz.