Fortgeschrittene Pitch- und Gas Kurven BS00874A.gif (1299 Byte)

Die Beschreibung im ersten Kapitel der Pitch- und Gaskurven zeigt die grundlegenden Einstellungen. Die Einstellungen muss man auf jeden Fall durchgeführt haben um einen Hubi zum Fliegen zu bringen. Diese Einstellungen werden auch oft als "erste Flugphase" oder "Schwebeflugeinstellungen" bezeichnet. Damit lassen sich sehr gut Schwebefiguren und normale Rundflüge durchführen. Auch einfacher Kunstflug (Turns, Loopings) ist damit bereits möglich.

Dieses zweite Kapitel beschreibt nun die Einstellungen für fortgeschrittene Piloten, die Kunstflug oder sogar 3D erlernen wollen:


Die 3D Einstellungen werden in mehreren Schritte durchgeführt:

1. Einstellung des maximalen Pitchbereiches in der Werkstatt

2. Programmieren einer zweiten 3D-Flugphase

3. Pitch und Gas für die 3D Flugphase

4. Maximale Nick- und Rollausschläge

5. Nochmalige Einstellung der Schwebeflugeinstellungen


Einstellung des maximalen Pitchbereiches in der Werkstatt

Im ersten Kapitel bei der Schwebeflugeinstellung haben wir den Pitchbereich auf z.B.: -5 bis +12 Grad eingestellt. Dieser Bereich ist für 3D nicht mehr ausreichend. Hier wird für die 3D Flugphase ein Pitchbereich von -10 bis +10 benötigt, für die Autorotation bis +12. Der gesamte Pitchbereich den die Rotorkopfmechanik schaffen sollte, wäre also -10 bis +12 Grad.

Leider sind nicht alle Hubschrauber gleichermaßen gut für 3D geeignet und bereiten oft Probleme bei der Einstellung des maximalen Pitchbereichs. Die Gestänge passen nicht, oder blockieren bei zu extremen Werten. Dieses Problem muss unbedingt mechanisch gelöst werden, bevor man weitermachen kann. Beim ECO-8 kann man z.B. die kurze Anlenkung zwischen Paddelwippe und Mischerarm (Hebel am Blatthalter) um ca. 1mm verkürzen. Dadurch erreicht man fast -9 Grad Pitch. Bei anderen Hubis sind evt. andere Maßnahmen notwendig. Reine 3D Hubschrauber haben damit natürlich keine Probleme.

Man prüft den maximal einstellbaren Pitchbereich indem man die Servos aushängt und die Taumelscheibe per Hand in die Maximalstellungen bringt, den Pitch misst und prüft ob noch alle Gestänge frei laufen. Wenn die +- 10 Grad nicht zu schaffen sind, muss man halt nehmen was der Hubi hergibt. Beim Eco-8 wird man sich z.B. mit -9 bis +9 Grad zufrieden geben.

0 Grad Pitch befindet sich genau in der Mitte. Bevor man jetzt die Servogestänge einhängt, stellt man die Servos genau in Mittelstellung und montiert die Servoarme exakt waagrecht. Jetzt kann das Servo nach oben und unten genau gleich weit laufen. Während man den Pitch misst, hängt man die Servogestänge ein. Diese müssen jetzt in der Länge so verändert werden, dass genau 0 Grad Pitch gemessen werden.

Sobald der maximale Pitchbereich verfügbar ist, kann man zum nächsten Schritt gehen.

Programmieren einer zweiten 3D-Flugphase

Wie der Name schon sagt, ist die 3D Programmierung sehr gut für 3D und Kunstflug geeignet. Für das Schweben gibt es feinfühligere Einstellungen. Daher belassen wir die Schwebeflugeinstellung erst mal so wie sie ist, und führen die 3D Einstellung in einer zweiten Flugphase durch. Bei modernen Computersendern kann man mit einem Kippschalter zwischen Flugphasen hin- und herschalten.

Es muss also zuerst ein Schalter als "Flugphasenschalter" programmiert werden. Bei der MC24 geht das mit Code 49 sowie mit Code 51. Die Kunstflug/3D Flugphase heißt dort "Akro". Die erste, bereits eingestellte, Flugphase nennen wir "Schwebe". Am komfortabelsten ist es wenn man jetzt die vorhandene Flugphase "Schwebe" in die neue "Akro" kopiert. Dann braucht man nur mehr die neuen Einstellungen zu Ändern und alles andere bleibt wie gewohnt auch in der neuen Flugphase erhalten.

Pitch und Gas für die 3D Flugphase

Diese Einstellungen unterscheiden sich grundlegend von der bisherigen Schwebeflugphase. Im 3D Flug möchte man den Hubschrauber im Rückenflug genauso steuern wie im Normalflug. Daher müssen alle Einstellungen symmetrisch sein. Üblicherweise wählt man einen Pitchbereich von -9 bis +9 Grad oder auch -10 bis +10 Grad. Je nachdem was der Rotorkopf schafft. Beim Eco-8 stelle ich -9 bis +9 Grad ein. Bei Verbrennern meist -9,5 bis +9,5 Grad. Genau in Knüppelmittelstellung befindet sich dann 0 Grad Pitch.

Jetzt stellt man die Pitchkurve im Sender völlig neutral ein.

Das heißt:
Knüppel unten = Servoarm in einer Endstellung = -9,5 Grad Pitch
Knüppel mitte = Servoarm in Mittelstellung = 0 Grad Pitch
Knüppel oben = Servoarm in der anderen Endstellung = +9,5 Grad Pitch
(wobei Knüppel unten/oben je nach Gewohnheit des Piloten auch vertauscht sein können).

Dieses Bild zeigt die jetzt eingestellte Pitchkurve. Der Pitchwinkel entspricht der Knüppelposition.

Mit dieser Einstellung kann man bereits ganz gut fliegen. Wenn man bereits mehr Übung hat, wird der Wunsch aufkommen, im Schwebeflugbereich etwas feinfühliger steuern zu können. Wenn man Normal- und Rückenschweben trainiert, so will man ja nicht ununterbrochen Flugphasen umschalten. Daher sollte diese Akro-Flugphase auch einingermassen zum Schweben geeignet sein.

Der übliche Pitchbereich für Schweben bis ruhigen Rundflug ist 2 bis 6 Grad (bzw -2 bis -6 in Rückenlage). Es gilt daher diesen Bereich etwas zu "entschärfen". Das macht man mit Hilfe von Programmierpunkten. Die meisten Computersender erlauben die Programmierung von mindestens 5 Punkten.

Um den Bereich von 2 bis 6 Grad zu entschärfen, fügen wir 4 zusätzliche Punkte ein:

deutlich sieht man die "Knicke" in der Pitchkurve. Bei 10 % Knüppelstellung wurde der Pitch auf 2 Grad angehoben. Bei 70 % Knüppelstellung wurde er auf 6 Grad abgesenkt. Dadurch ist die Pitchkurve zwischen 2 und 6 Grad flacher, was für das feinfühlige Steuern der Schwebe- und Fahrtfiguren hilft. Natürlich symmetrisch im positiven und im negativen Pitchbereich.

Was ist nun mit der Gaskurve ?

Wohl dem, der einen Drehzahlregler hat. Der braucht sich keine Gedanken um Gaskurven zu  machen, das erledigt alles der Drehzahlregler automatisch. Trotz der enormen Erleichterungen die ein Drehzahlregler bringt, schwören viele (auch Wettbewerbs-) Piloten auf das Fliegen ohne Drehzahlregler und mit Gaskurve. Aber auch wenn man mit Drehzahlregler fliegt, muss man eine grundlegende Einstellung der Gaskurve vornehmen, da der Hubi auch bei abgeschaltetem Regel flugfähig sein muss.

Die Gaskurve hat die Aufgabe, die Drehzahl über den Pitchbereich möglichst konstant zu halten. Im 3D Flug muss der Hubi sowohl in Normalfluglage als auch im Rückenflug identische Flugleistungen aufweisen. Die Gaskurve sieht daher so aus:

Dieses Bild zeigt die Gaskurve für einen rückenflugtauglichen Hubschrauber. In Knüppelmittelstellung (0 Grad Pitch) braucht der Hubi am wenigsten Leistung, weshalb nur Halbgas gegeben wird. Bei den maximalen Pitch-Ausschlägen wird Vollgas gegeben.

Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht folgendes auffallen: Wenn ich mit meinem 3D Hubi in Normalfluglage einen steilen Landeanflug mit negativem Pitch durchführe, so wird Gas gegeben, obwohl der Hubi in diesem Fall nur wenig Leistung benötigt. Tatsächlich wird in so einem Fall der Motor aufheulen und die Drehzahl steigen. Es gibt ein paar Tricks diesen Effekt zu vermindern, z.B. durch richtige Abstimmung des Reso-Rohrs, aber ganz vermeiden lässt es sich nicht. Das ist der Hauptgrund warum ich lieber mit Drehzahlreglern fliege. Dann ist es egal was man macht, die Drehzahl ist immer konstant.

Maximale Nick- und Rollausschläge

Das Steuergestänge oder Computersender erlauben auch die Einstellung der maximalen Ausschläge von Nick und Roll, d.h. die maximale Schrägneigung der Taumelscheibe. Bisher hatten wir das eher dem Zufall überlassen und es hat meist zum Fliegen ganz gut gepasst. Für die 3D Einstellung wollen wir es aber genauer wissen.

Man stellt den Pitchknüppel genau in Mittelstellung und misst den Pitchwinkel, der jetzt genau 0 Grad betragen sollte.

Bei der folgenden Messung, muss das Rotorblatt genau im 90 Gradwinkel zur Hubilängsachse (Heckrohr) stehen (also quer zum Hubi).

Jetzt drückt man Nick bis zum Anschlag und schaut um wieviel Grad sich der Pitch verändert. In 3D Lehrbüchern wird ein Winkel von 6 bis 8 Grad vorgeschlagen. Ich stelle im Moment auf 6 Grad ein. Zuviel Neigung würde den Hubi sehr agil machen, was nur für geübte Piloten sinnvoll ist. Die gleiche Messung führt man auch für die andere Extremstellung des Nickknüppels durch.

Danach stellt man das Rotorblatt genau über das Heckrohr und wiederholt die Messung, nur diesmal mit dem Roll-Knüppel. Wieder wird 6 Grad eingestellt.

Nochmalige Einstellung der Schwebeflugeinstellungen

Durch das Ändern des maximalen Pitch auf -10 bis +10 Grad hat man natürlich die alten Schwebeflugeinstellungen verändert und muss diese jetzt wieder korrigieren. Man macht das aber ausschließlich im Sender und ändert nichts mehr am Gestänge !

Man schaltet also wieder in die Schwebeflugeinstellung, und ändert den minimum-Pitch auf die üblichen -3 Grad. Danach stellt man den maximum-Pitch auf 10 Grad. Als letztes erhöht man den Pitch bei Knüppelmittelstellung auf ca. 5 Grad (Schwebepitch).

(Das alles sind natürlich Einstellungen, die auch von den Gewohnheiten des Piloten abhängen. Manche Piloten bevorzugen die 3D Einstellung auch für die Schwebefiguren, wobei nur die Pitchkurve noch flacher gestellt wird und der negative Pitch auf -3 Grad angehoben wird. )