PLUS und MINUS
Drehzahlregler für Modellhubschrauber

das ist wieder eines dieser viel und heiß diskutierten Themen im Bereich Modellhubis. Für die einen ein unverzichtbarer Stand der Technik, für die anderen ein unnötiges, fehlerbehaftetes Schnick-Schnack.

Wenn man sich die Materiallisten von Wettbewerbspiloten ansieht, so hat die Mehrheit einen Drehzahlregler, einige Top Piloten kommen aber auch ohne diesen Zusatz zurecht. Ich habe mir in drei Jahren Elektro- und Verbrenner-Hubifliegerei folgende Meinung gebildet:


Zweck eines Drehzahlreglers:

Ein Modellhubschrauber fliegt am besten, wenn während aller Manöver eine konstante Drehzahl eingehalten wird. Das ist auch klar, denn eine sich ändernde Drehzahl bewirkt auch automatisch ein geändertes Drehmoment, welches vom Heckrotor wieder ausgeglichen werden muß. Eine konstante Drehzahl ist eine der Voraussetzungen für ein stabiles Heck.

Ohne Drehzahlregler muss man eine Gaskurve im Sender programmieren. Diese soll so eingestellt sein, dass für jeden Pitchwert ein entsprechende Gaswert eingestellt wird. Je mehr Pitch, umso mehr Energie braucht ein Hubi und damit braucht er auch mehr Gas um die Drehzahl aufrecht zu erhalten. Normal-Piloten stellen die Gaskurve für Schwebeflug und Min und Max Pitch ein, Top-Piloten stellen sie an 5 oder mehr Punkten des Pitchweges ein. Natürlich braucht nicht nur der Pitch Energie. Auch kräftige Rollausschläge und Nickausschläge kosten Kraft. Daher haben viele Sender Mischer, die entsprechend der Taumelscheibenneigung zusätzlich Gas geben. Weiters kostet auch der Heckrotor Energie. Hier wird ein weiterer Mischer benötigt, der bei harten Heckausschlägen zusätzlich Gas gibt.

Anhand dieser Beschreibung erkannt man schon, dass die korrekte und feinfühlige Einstellung einer Gaskurve nicht ganz einfach ist. Viele Parameter müssen berücksichtigt werden.

Aus diesem Grund kann man die Erzeugung einer konstanten Drehzahl heute einer Elektronik überlassen: dem Drehzahlregler. Dieser überwacht automatisch den Rotorkopf und gibt entsprechend Gas wenn es benötigt wird.  Die genaue Einstellung einer Gaskurve erübrigt sich somit (fast zumindest, siehe auch Verbrennerhubis, weiter unten).


Drehzahlregler für Elektro-Hubis:

Drehzahlregler gibt es fast nur für bürstenlose Motore. Alle anderen müssen nach wie vor mit Gaskurve fliegen. Meist stellt man aber nur Schwebegas und Min und Max Gas ein. Das reicht für die meisten Fälle. Spätestens wenn man sich aber mit Kunstflug beschäftigt, wird man auf bürstenlose Motor umsteigen und kommt somit in den Genuss einer automatisch geregelten Drehzahl. Diese Funktion stellen praktisch alle modernen bürstenlosen Motorregler heute zur Verfügung.

Sobald man einen entsprechenden Motorregler besitzt, sollte man diese Funktion sofort aktivieren. Bei Kontronik-Reglern (z.B. 3SL Serie) ist das der Mode-4. Bei anderen Reglern heißt es anders. Man kann (und MUSS sogar) dann sämtliche Gaskurven im Sender und sämtliche Mischer die aufs Gas wirken abschalten !

Um die Drehzahl kümmert sich ab sofort nur mehr die Elektronik. Die Solldrehzahl bekommt sie vom Sender vorgegeben, von einem Schieberegler oder einem Schalter.

Bei Elektro-Hubis ist der Drehzahlregler eine wesentliche Vereinfachung und Bereicherung und meines Erachtens ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Fliegerei mit bürstenlosen Motoren.


Drehzahlregler für Verbrennerhubis:

Bei den Verbrennerhubis sieht das Bild etwas anders aus als bei Elektroflug. Natürlich ist eine korrekte Gaskurve auch bei Verbrennern relativ komplex einzustellen, aber es gibt hier noch andere Parameter die den Einsatz eines Drehzahlreglers bestimmen.

Anfangs wird man auch hier mit einer 3-punkt Gaskurve arbeiten, also Schwebegas, Min- und Max-Gas.  Später wird man vielleicht auf eine 5-punkt Kurve gehen und zusätzlich noch Mischer für die Taumelscheibe und das Heck programmieren.

Im Gegensatz zum Elektro-Hubi muss man diese Einstellungen aber auch bei Einsatz eines Drehzahlreglers machen, denn ein Verbrennerhubi muss auch fliegen können, wenn der Drehzahlregler deaktiviert ist (ein Fall der beim E-Hubi prinzipiell nicht vorkommen kann).  Ein Drehzahlregler bringt hier also keine Vereinfachung der Einstellungen.

Der unbestrittene Vorteil des Drehzahlreglers ist, dass bei einer korrekten Voreinstellung des Hubis die Drehzahl korrekt konstant gehalten wird. Selbst wenn man bei der Gaskurve schlampig war, hält die Elektronik die Drehzahl stabil. Ein weiterer Vorteil ist das Verhalten bei steilen Sinkflügen und gleichzeitiger Verwendung einer Kunstflug (V-) Gaskurve. Ohne Drehzahlregler kann der Motor hier auftouren, der Regler verhindert das.

Bei Verbrennerhubis gibt es aber ein großes Problem mit Drehzahlreglern. Je nach Wetter kann die Vergasereinstellung variieren. Fliegt man einmal mit einem zu fett eingestellten Motor, so würgt dieser im Steigflug. Der Drehzahlregler würde daraufhin sofort Vollgas geben. Ein Methanolmotor mag das aber überhaupt nicht und kann dabei sogar ganz stehen bleiben. Daher funktioniert der Drehzahlregler nur bei perfekt eingestelltem Motor, anderenfalls ist er sogar ein Risiko.

Ein weiteres Argument ist das Resorohr, welches die meisten Verbrenner-Hubis heute benutzen. Aufgund der Resonanzfunktion dieses Rohres, stellt sich der Motor automatisch auf eine bestimmte Drehzahl ein, auf die Resonanzdrehzahl (Natürlich nur, wenn die Abstimmung der Gaskurve auch entsprechend stimmt). Damit übernimmt das Resorohr in gewissen Grenzen eine "Drehzahlregel-Funktion".

Ganz unangenehm ist es, wenn die Solldrehzahl vom Drehzahlregler unterschiedlich ist zur Resonanzdrehzahl des Resorohres. Dann kämpfen beide Komponenten gegeneinander.


Zusammenfassung:

Für E-Hubis ist ein Drehzahlregler Stand der Technik, zumindest für büstenlose Motore, und bringt eine erhebliche Vereinfachung und Erhöhung der Betriebssicherheit. Ich würde einen E-Hubi nie mehr ohne Drehzahlregler fliegen.

Bei V-Hubis funktioniert ein Drehzahlregler nur zufriedenstellend wenn das Modell und der Motor perfekt abgestimmt sind. Ansonsten kann es sogar zu Motorabstellern kommen. Ich habe derzeit in allen Verbrennerhubis Drehzahlregler eingebaut, bin aber wieder dabei diese zu entfernen und die Drehzahl lieber mit dem Resorohr einzustellen, was bei den letzen Flügen auch sehr gut funktioniert hat. Ein Argument warum Top-Piloten Drehzahlregler benutzen ist, dass die Umschaltung zwischen zwei Drehzahlen (Schwebe- und Kunstflugdrehzahl) damit sehr einfach ist.