ECO-8: ALU Rotorkopf von Ikarus

Es gibt Dinge, die braucht man eigentlich nicht, kauft sie aber trotzdem irgendwann einmal, einfach weil sie gut aussehen und eventuell eine gute Funktion versprechen. Zu diesen Dingen gehört der Alu Rotorkopf, der seit einigen Jahren von Ikarus für den ECO-8 angeboten wird.

Es gibt inzwischen einige brauchbare Alu Rotorköpfe, außer Ikarus sei noch Gensmantel (Heaven) und der Aluso-Kopf erwähnt. Für den Ikaruskopf spricht die problemlose Lieferbarkeit und Ersatzteilversorgung sowie ein akzeptabler Preis, sofern man bei einem günstigen Händler kauft. Bei Ikarus selbst ist der Kopf relativ teuer.

Wenn man so ein Luxusteil kauft, hat man einige Hoffnungen:

* sauberes Aussehen
* Spielfreiheit
* großer Pitchbereich für 3D
* Leichtgängigkeit
* präzise Ausführung

Hier folgt ein Bericht zu diesem Rotorkopf, wir werden sehen ob sich die Erwartungen erfüllt haben, denn mein eigener getunter und mit Kugellagern versehener  Plastikrotorkopf ist inzwischen auch gut für 3D brauchbar.


Lieferumfang:

kopf_pack.jpg (21307 Byte) Der komplette Kopf wird in einer Plastiktüte geliefert. Diese enthält das Zentralstück, Blatthalter, Stabiwippe, 12 Kugellager sowie viele Kleinteile. Den Preis von knapp unter 150.- € halte ich für durchaus angemessen. Die Alu Teile haben eine saubere, rot eloxierte Oberfläche und sehen wirklich ansprechend aus. Leider wurde der Anlenkhebel der Blatthalter nur sehr roh bearbeitet. Damit er zum Gesamtbild passt muss er abgeschliffen und sauber poliert werden.

Die Packung war vollständig, zwei Messingringe waren zuviel, aber die kann man schon noch irgendwo gebrauchen.

Eine Aufbauanleitung sucht man vergeblich. Es liegt nur eine Explosionszeichnung bei, die einige Fragen nicht beantwortet. Wer noch keinen Hubschrauber aufgebaut hat, sollte sich lieber Rat bei einem Experten holen (oder diesen Artikel sorgfältig lesen), zu schnell wäre ein wichtiges Teil falsch eingebaut. Jedes Teil ist in der Explosionszeichnung mit einer Nummer versehen. Man findet leider nirgends eine entsprechende Stückliste um diese zu identifizieren.

Der Aufbau:

Auf den Aufbau war ich sehr gespannt. Hatten die ECO Plastikteile doch nie in der Maßhaltigkeit mit den großen Metallhubis mithalten können, so hatte Ikarus bei den Alu-Teilen die Chance eine einwandfreie Fertigungsqualität zu beweisen.
kopf_mass.jpg (12319 Byte) Als erstes montierte ich die Blatthalter, deren Anlenkung mit den Mischhebeln. Die Mischhebel sind kugelgelagert und passen perfekt leichtgängig und sind einigermaßen spielfrei.

Je zwei Kugellager werden vorne und hinten in die Blatthalter gesteckt, die Blattlagerwelle durchgeschoben und je eine Abstandsscheibe aufgeschoben. Weiters kommt noch je ein Dämpfungsgummi drauf und die Blattlagerwelle wird durch das Zentralstück gesteckt. Dann werden die beiden M3 Stop-Muttern mit ausreichend Schraubensicherung handfest geschraubt.

Nach dem Anschrauben traute ich meinen Augen nicht. Die Blatthalter waren praktisch fest und konnten kaum bewegt werden. Irgendwas stimmte hier nicht. Ich löste sofort die Schauben. Was war los ? Eine Messung mit der Schiebelehre brachte die Erleuchtung. Wie im Bild vermerkt, steht die Blattlagerwelle ca. 17,3mm in jeden Blatthalter hinein. Dieses Maß ist durch die Blatthalter fest vorgegeben.

Weiters hat das Zentralstück (inkl. Gummis) eine Breite von 32,5mm. Dabei sind die Gummis schon recht hart gequetscht. Das macht eine gesamte Breite von 2x17,3 + 32,5 = 67,1mm. Die Blattlagerwelle hat aber nur 66mm Länge. Es fehlt mehr als 1mm. Wenn man nun die Schrauben festzieht, so quetscht man erst die Dämpfergummis auf Nullmaß und danach verzieht man die Kugellager, welche das nicht lange überleben.

Die einzige Lösung ist, die M3 Stop-Muttern nicht anzuziehen, sondern in der Mitte des Gewindes sehr lose zu belassen. Man muss das sehr vorsichtig machen, und dabei immer die Leichtgängigkeit der Blatthalter prüfen. Die Stop-Muttern werden jetzt nur mehr von ihrem Kunststoffeinsatz sowie von Schraubensicherung gehalten. Mit so etwas soll ich vor meiner Nase herumschweben ? Das mache wer will, ich nicht. Hier muss eine Lösung gefunden werden um auf das richtige Maß zu kommen.

Um herauszufinden ob ich was falsch gemacht habe oder wirklich ein ungenaues Maß im Blatthalter vorliegt, habe ich die Suchmaschine in einigen Foren bemüht um nach anderen Alu-Kopf Besitzern zu schauen. Tatsächlich fanden sich einige Einträge die von ähnlichen Problemen berichteten, bei einem war die Welle zu lang, also das andere Extrem. Viele berichten auch von problemlosem Zusammenbau. Offensichtlich ist die Fertigung der Blatthalter einer größeren Streuung unterworfen und es ist einfach Glück oder Unglück ob man einen guten erwischt oder nicht. Dass mich das nicht sonderlich begeistert ist wohl verständlich.

kopf_stabi.jpg (20282 Byte) Nachdem das Blatthalterproblem erkannt war, montierte ich die Stabiwippe. Dabei stellte sich heraus, dass die beiliegenden M3 Schrauben (1) zu kurz waren. Statt der benötigten 5mm hatten sie nur 4,5mm. Zum Glück hat man so etwas in der Bastelkiste und die Wippe konnte schnell eingebaut werden. Zwischen Zentralstück und Wippe befindet sich eine dünne Passscheibe (2). Diese hat einen etwas zu großen Durchmesser und schleift leicht am Außenring des Kugellagers, was sich als Schwergängigkeit bemerkbar macht. Wenn man beim Zusammenbau auf perfekte Zentrierung achtet, so klappt es aber gut und die Wippe läuft ganz leicht und spielfrei.
kopf_anlenk.jpg (17797 Byte) Als nächstes werden die beiden Kugeln an den Mischhebeln montiert. Die Explosionszeichnung sagt leider nicht aus wohin. Also montierte ich sie erst so, wie sie auch am Originalrotorkopf des ECOs angebracht sind. Später stellte sich heraus, dass damit der Pitchbereich zu stark eingeschränkt wird, da die Kugelpfannen anstoßen.

Ein weiteres Problem war, dass die Schraubenköpfe an der Blatthalteranlenkung etwas anstoßen, daher montierte ich alle Kugeln außen. Um ein Anstoßen der Kugelpfannen vollkommen zu vermeiden, nahm ich aber Kugeln vom Heaven (Gensmantel). Diese haben einen Kragen, welcher einen Abstand zum Mischhebel bewirkt. Das gibt der Kugelpfanne weiteren Freiraum und der maximal möglich Pitchbereich wird größer.

kopf_oben.jpg (16535 Byte) Ein Blick auf den montierten Alu Rotorkopf von oben. Die Anlenkung der Stabiwippe wird mit den üblichen Plastikteilen gemacht. Das sieht schon etwas komisch aus.  Der edle Alukopf und daran die schwarzen Plastikteile. Aber es funktioniert.
kopf_mont.jpg (20538 Byte) kopf4.jpg (24445 Byte) Hier der fertige Kopf auf einem Acrobat-10 Chassis.

Einstellung:

Der maximal mögliche Pitchbereich ist für mich von größter Wichtigkeit. Gerade hier hat der Plastikkopf starke Einschränkungen und kann nur mit Tuningmaßnahmen zu einer 3D Einstellung gebracht werden.

Der sorgfältige Abgleich der Gestänge brachte einen maximalen Pitchbereich von -10 bis +10 Grad. Dabei bleiben die Gestänge ziemlich frei und auch die Stabistange bleibt bei den Extremausschlägen noch beweglich. Ich habe den Pitch genau symmetrisch justiert und ihn dann im Sender auf +-9,5 Grad für Kunstflug und -4 bis +9,5 Grad für Normalflug reduziert. Insgesamt verlief die Einstellung sehr unproblematisch und der Kopf dürfte damit für 3D Flug recht gut geeignet sein. Jedenfalls ist er bei extremen Ausschlägen erheblich beweglicher als der originale Plastikkopf.

Flugbetrieb:

Wie verhält sich nun der Alukopf im harten Flugbetrieb ?

Schon im Bastelkeller fällt auf, dass der Kopf ziemlich spielfrei ist. Kein Vergleich mit dem wackligen Plastikkopf. Bisher habe ich Schwebeflug und normale Fahrtfiguren geflogen. Kunstflug hat das Wetter bisher nicht erlaubt, aber das kommt noch.

Der Kopf fliegt sich sauber. Der Hubi verhält sich sehr ähnlich zum Plastikkopf. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht wirklich einen Unterschied feststellen können. Ein Vorteil ist der Pitchbereich von ca. 20 Grad, der ohne Blockieren der Gestänge einstellbar ist. Beim Plastikkopf ist das nur mit Tuningmaßnahmen machbar. Ansonsten habe ich auch beim Alukopf das Eco-8 typische Aufbäumen bei größeren Geschwindigkeiten bemerkt, was wohl eher an den Blättern als am Kopf liegt. 

Für härtere Flugfiguren braucht man schon höhere Drehzahlen jenseits von 1500 U/min um Freude aufkommen zu lassen. Mit 1600 U/min kann man dann langsam die etwas härteren Gangarten fliegen. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass man einen Klein-Heli in Händen hat, der filigraner als ein großer 60er zu fliegen ist. Weich gesteuerte Kommandos werden recht gut umgesetzt. Der Looping geht erheblich schöner als mit dem originalen Plastikkopf da die Aufbäumneigung geringer ist. Hier macht sie die Präzision des Kopfes bemerkbar. Trotzdem zieht er die Nase immer noch deutlich hoch und man muss bei schnellen Figuren kräftig am Nick drücken um den Hubi gerade zu halten. Aber wie gesagt, es ist besser als beim Plastikkopf. Auch Rollen werden ganz ordentlich umgesetzt. Rückenflug und Rückenschweben ist mit den Pitchwerten von -9 bis +9 Grad gut machbar. Sofern man eine Motorisierung besitzt die höhere und vor allem konstante Drehzahlen sicherstellt, kann man mit diesem Kopf ganz gut Kunstflug machen. Die Drehzahlstabilität ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Zusammenfassung:

Eigentlich ist der Ikarus ALU Kopf ein sehr edles Teil, wenn man nur die Fertigungstoleranzen in den Griff bekommen könnte. Beim Einbau dieses Kopfes sollte man folgendes beachten:

  1. Beim Anziehen der Blattlagerwelle darauf achten, dass diese in der  Länge auch passt. Passt sie nicht, so sind normalerweise die Ausfräsungen für die Kugellager in den Blatthaltern ungenau gearbeitet (Umtauschen lassen !)
  2. Die Kugeln auf den Mischhebeln außen montieren. Falls vorhanden, Heaven-Kugeln verwenden oder einige Scheiben beilegen.
  3. Auf richtige Länge (5mm) der M3 Schrauben zur Befestigung der Wippe achten.

Der Alu Rotorkopf für den Eco-8 ist ein sauber aussehender Kopf, der zudem gut für extreme Pitchwerte geeignet ist.  Die beschriebenen Fertigungsprobleme muss der Anwender durch sorgfältige Prüfung der Bauteile erkennen und diese im Fehlerfall beim Hersteller Umtauschen.