Kunstflug mit dem ECO-8

Ist der Eco-8 ein kunstflugtauglicher Hubschrauber ? Darüber streiten sich die Geister. Für die einen ist er nur ein wackeliges Spielzeug, für die anderen ein vollwertiger Kleinhubschrauber. Hier soll nun mit der Vorurteil aufgeräumt werden, dass der Eco-8 nur für gemütliche Flugarten geeignet ist. Trotz seiner erstaunlich geringen Größe und Leichtbauweise kann er viel mehr als man denken könnte. Natürlich muss man einige Voraussetzungen schaffen, danach steht dem vollwertigen Fliegen aber nichts mehr im Wege.

Voraussetzungen
  Neujahrs-Rolle
Looping
Überschlag Rückwärts
Überschlag Seitwärts


Voraussetzungen:

Was kann der Eco-8 so wie er aus dem Baukasten kommt ? Er kann schweben, gemütliche Rundflüge, Autorotationen und vor allem viel Spaß machen. Um mit dem Eco-8 aber Kunstflugfiguren machen zu können, müssen einige Dinge vorbereitet sein:

Der Motor:

Er gehört mit Abstand zu den wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kunstflugfiguren. Nichts ist schlimmer, als wenn am Scheitelpunkt eines Loopings die Drehzahl einbricht. So etwas kann auch hartgesottenen Piloten die Schweißperlen auf die Stirne treiben. Ein Grund warum ich mich dem Verbrennerfliegen zugewandt habe, war genau dieses Problem. Inzwischen gibt es aber sehr gute bürstenlose Antriebe und Akkus, die eine konstante Drehzahl auch bei hohen Belastungen sicherstellen. Auf einer anderen Seite ist der HB30-12 Motor beschrieben. Diesen Motor habe ich in meinen Kunstflug-Eco eingebaut. Damit zieht er einen Pitch von -9 bis +9 Grad auch in schwierigen Fluglagen problemlos durch.  Das Mehrgewicht von 100g durch die benötigten 12 Zellen sind kein Problem. Natürlich gibt es auch vergleichbare Motore von anderen Herstellern, mit dem HB30-12 habe ich aber meine besten Erfahrungen gemacht.

Der Akku:

Kunstflug benötigt Strom, viel Strom, sehr viel Strom. Und das bei bester Spannungslage. Daher kann man mit NiMH Zellen, wie gut sie auch sein mögen hier nichts ausrichten. Es kommen nur die bewährten Arbeitspferde RC2000 und RC2400 in Frage. Ich gebe der RC2400 den Vorzug, da man durch den hohen Stromverbrauch mit geringen Flugzeiten rechnen muss. Mit der RC2400 kommt man aber trotzdem auf ca. 6 Minuten Powerflug.

Der Rotorkopf und das Chassis:

Hier ist Präzision gefragt. Der Rotorkopf muss leichtgängig und spielfrei sein. Beides ist beim Eco-8 Rotorkopf nicht ganz einfach zu realisieren. Entsprechende Hinweise habe ich auf der Seite "Luxus Eco der 3.Generation" geschrieben. Diese Modifikationen sollte man unbedingt durchführen um einen einigermaßen sauber laufenden Eco zu bekommen. Vor allem die Modifikation zur Vergrößerung des Pitchbereiches ist unumgänglich, denn sonst würde man ein Abspringen von Kugelköpfen riskieren. Ohne diese Modifikation klemmt der Original ECO-8 Rotorkopf schon bei -6 Grad Pitch. Ähnliche Modifikationen braucht übrigens auch der Ikarus-ALU-Rotorkopf. Dieser ist sehr präzise, aber aufgrund der erhöhten Absturzgefahr bei Kunstflug erscheint mir das als zu teuer.

Der Kreisel:

Hier kommt jeder gute Heading-Hold Kreisel in Frage. Kunstflug mit dem ECO-8 kann man nur mit einem HH-Kreisel schaffen. Der Hubi ist schon wackelig genug sodass man sich zumindest auf ein stabiles Heck verlassen können muss. Es sollte zumindest ein Robbe 3D Gyro sein, besser noch ein ICG360 oder, wer das Geld hat, der neue GY-401. Dieser stellt wohl das zur Zeit beste in seiner Größenordnung dar.


Kunstflugversuche habe ich mit dem Eco-8 schon mehr als genug gemacht. In vielen Fällen endete es in einem mehr oder weniger großen Schaden an Material beim Eco und an Selbstvertrauen beim Piloten. Man muss eines wissen: Kunstflug mit dem Eco-8 ist möglich, einfach ist es aber sicher nicht !

Ein längeres Training mit großen Hubschraubern, hauptsächlich Verbrennern, half mir die notwendige Sicherheit zu erlangen. Zusätzliches Training am Simulator tat den Rest. So gerüstet wollte ich mal sehen, was im Eco-8 steckt:

Neujahrs-Rolle:

Wie haben die Rollen bisher (1999) ausgesehen: Vorwärtsflug, Roll-rechts, der Eco rollt gemütlich auf den Kopf, negativ-Pitch gegeben und das Heck dreht irgendwie herum. Panik, und Abbruch des Manövers. Aus diesem Grund stand der Eco-8 fast ein halbes Jahr in der Ecke.

Beim traditionellen Neujahrsfliegen 2001 wollte ich es wissen. Mit einem gut getunten Eco-8, einer vollgeladenen 12er Stange RC2400 und viel Selbstvertrauen startete ich den Eco. Nach einigen kraftvollen Rundflügen stieg ich auf Sicherheitshöhe und begann einen schnellen Vorwärtsflug. Dann ein gut dosiertes Roll-rechts Kommando, der Eco legte sich auf den Rücken. Dann schnell diese Flugphase mit negativ Pitch stabilisiert und eine sehr kurze Rückenflugstecke geflogen, und sofort den zweiten Teil der Rolle durchgeführt.

Der Eco-8 flog wie an der Schnur gezogen durch die Rolle. Na also, es geht ja doch !

Ohne die sorgfältige Vorbereitung hätte es nie geklappt. Mit dem Eco-8 ist eine sauber geflogene Rolle schon anspruchvoll, aber durchaus möglich. Dabei kommt es hauptsächlich auf folgende Punkte an:

* konstante Kopfdrehzahl während des ganzen Manövers (guter Antrieb)
* stabiles Heck durch HH-Keisel
* feinfühlige Dosierung des negativen Pitch, damit es keine Fassrolle wird
* feinfühlige Dosierung von Nick, um die Vorwärtsfahrt nicht auszubremsen

Looping:

Mit dem Looping habe ich noch Probleme. Durch die Aufbäumneigung des ECO bei schneller Fahrt, bremse ich ihn immer noch in der ersten Hälfte des Loopings aus, sodass die zweite Hälfte wie ein Überschlag aussieht. Außer der besseren Dosierung des Nick ist vielleicht noch eine Anpassung im Rotorkopf notwendig. Daran wird noch gearbeitet, ich berichte zu gegebener Zeit.

Überschlag Rückwärts:

Diese Figur nutzte ich bisher um den Eco-8 in den Rückenflug zu bringen um dann das Rückenschweben zu üben. Der Grund war, weil diese Figur von meinem Eco mit relativ geringem Höhenverlust ausgeführt wird.

In ausreichend Sicherheitshöhe schwebt man in Nasenposition. Dann wird voll Nick gezogen, der Eco nimmt die Nase hoch, überschlägt sich und geht auf den Rücken. Man muss gut darauf achten, dass man ausreichend negativ Pitch gibt. Ich muss fast voll negativen Pitch geben (-9 Grad) damit kein Höhenverlust auftritt. Sobald er auf dem Rücken liegt kann man es reduzieren. Dann folgt die zweite Phase, das zurückdrehen. Weiter Nick ziehen und warten bis der Eco-8 wieder in Normallage ist. Bei diesen Manövern sollte man immer auf ein ausbrechen des Hecks gefasst sein !!! Der Eco-8 ist nicht so stabil, dass er das alles sauber ausführen würde. Es kann durchaus passieren, dass trotz HH-Kreisel das Heck etwas wegdreht, was man natürlich sofort wieder unter Kontrolle bringen muss. Als Eselsbrücke hat mir geholfen, sofort nach dem Manöver Nick zu drücken und Vorwärtsfahrt aufzunehmen. So kann man am besten erkennen wie der Hubi steht und man gewinnt wieder die Kontrolle.

Bei diesem und auch bei anderen Überschlägen hört man deutlich, wie der Motor kämpft. Hier wird dem Antrieb alles abverlangt, vor allem wenn man es noch unsauber ausführt und viel korrigieren muss. Ein schwacher Motor würde durch das einbrechende Drehmoment sofort zu einem wild kreiselnden Heck führen, was bei mir schon etliche Crashs verursacht hat.

Überschlag Seitwärts:

Dieser unterscheidet sich deutlich vom vorher beschriebenen Überschlag Rückwärts. Grund ist das andere Verhalten des Eco-8 bei diesem Manöver. Bei Verbrenner-Hubis merkt man kaum ein Problem. Beim Eco muss man deutlich vorsichtiger vorgehen, aber es ist zu schaffen.

Im Unterschied zur Rolle, wo die Drehung nach rechts bei schneller Vorwärtsfahrt ausgeführt wird, findet der Überschlag aus dem Schwebeflug statt. Lebenswichtig ist doppelte Sicherheitshöhe ! Dann gibt man beherzt voll Roll-rechts und wartet bis der Eco herumkommt. Dabei passiert bei meinem Eco-8 folgendes. Anstatt auf der Stelle umzukippen, beschreibt der Hubi einen großen Bogen. D.h. er verliert viel Höhe (ca. 10m) bis er in Rückenlage ist. Der Überschlag sieht also eher wie ein halber Seitwärtslooping aus. Deshalb ist Sicherheitshöhe so wichtig. Ich weiß nicht ob das jeder Eco so macht, meiner macht es.

In Rückenlage stabilisiert man mit viel negativem Pitch und versucht den Hubi unter Kontrolle zu bringen. Dann folgt sofort die zweite Phase und man dreht weiter bis er wieder in Normallage ist. Auch dabei verliert der Höhe, aber bei weitem nicht soviel.

Bei diesen Seitwärtsüberschlägen habe ich schon einige Büsche ihrer Äste beraubt. Grund war immer der große Höhenverlust während dieses Manövers. Dazu muss gesagt werden, dass ich mit C341 Servos fliegen, die relativ langsam sind. Mit schnellen Servos sieht es vielleicht besser aus.