Flugsimulatoren:
AEROFLY

AG00062_.gif (7566 Byte)

Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist: Wie realistisch ist ein Flugsimulator und kann ich damit fliegen lernen ?

Testbericht AEROFLY:

Systemleistung / Optischer Eindruck:

Dieses Programm erfordert einen multimedia-tauglichen PC, wie er heute schon oft zu finden ist. Das Programm ist nichts für einen fußlahmen 486er. Hat man aber das entsprechende Equipment so entfaltet Aerofly für Windows seine volle Stärke. Ich benutze einen P-II-266 mit einer Millenium-II Graphikkarte. Damit erhält man ein Bild mit ca. 10 Frames/Sekunde (bei groben Darstellungen). Damit ruckelt es ganz kräftig und ist unangenehm anzusehen. Bei feinen Auflösungen kann man nicht mehr damit arbeiten. Daher habe ich eine 3D-Zusatzkarte eingebaut. Es ist eine Diamond Monster-3D-II Karte mit Vodoo Chipsatz. Nach der Installation der Treiber hat Aerofly so richtig losgelegt und war nicht mehr zu bremsen. Selbst mit der vollen Darstellung aller Feinheiten war ein völlig ruhiges, ruckelfreies Bild mit 60 Frames/Sekunde zu sehen. Die Graphik ist fantastisch realistisch was der Orientierung sehr zugute kommt. Es werden viele Details dargestellt, so z.B. die Gestänge der Taumelscheibe des ECO-8.

Realitätsgrad:

Viele Flugsimulatoren sind viel zu einfach zu fliegen. Damit ist der Lerneffekt in Frage gestellt, da der Unterschied zum richtigen Helikopter sehr groß ist. Das haben die Programmierer von Aerofly für Windows Version ganz gut in den Griff bekommen. Der ECO-8 fliegt sehr realistisch. Er reagiert direkt und empfindlich auf Steuerkommandos und hat ähnliche Eigenheiten wie in der Realität. Selbst die Abdrift durch den rechtsdrehenden Rotor ist korrekt wiedergegeben. Im Schwebeflug, Nasenflug, Pirouetten usw. muss man genauso kämpfen wie mit dem realen ECO-8. Es wurden aber auch einige helitypische Eigenschaften vergessen. So merkt man z.B. keinen Bodeneffekt, was Schwebeüben in Bodennähe viel zu einfach macht.  Die wichtigsten Eigenschaften eines Helis lassen sich aber in einem Modellfenster einstellen. Das ist ziemlich komfortabel gelöst. Man wählt in einer Heli-Graphik die einzelnen Bauelemente und kann dann viele Eigenschaften einstellen (nur als Beispiel: Drehzahlregler, Kreiselempfindlichkeit, Rotorblätter, Motor usw.). Viele andere helitypische Eigenschaften (z.B.: Spiel im Gestänge) sind nicht vorgesehen.

Die Einstellungen zur Fernsteuerung sind recht komfortabel gelöst. Man braucht wirklich nur eine einfachste 4-Kanal Fernsteuerung und kann die Knüppelbelegung, die Empfindlichkeit und sogar einen Expo im Programm einstellen. Da sich Aerofly mit einem simplen PPM Signal zufrieden gibt, kann praktisch jede beliebige Fernsteuerung benutzt werden.

Nicht alle Parameter sind wirklich Realitätsnah. So hat der Heading-Hold Kreisel die unangenehme Eigenschaft zu übersteuern, was präzise Kurven manchmal zum Glücksspiel werden lässt. Man kann das durch herumprobieren mit den Kreiseleinstellungen etwas mildern. Unter Übersteuern verstehe ich: Wenn man ein Heckkommando gibt, so reagiert er erst relativ zäh und träge. Gibt man etwas mehr, so kommt plötzlich der Punkt an dem es das Heck schnell herumreißt, das ist vor allem im Vorwärtsflug zu beobachten. So einen Effekt ist bei realen HH-Kreiseln tatsächlich auch zu beobachten, aber bei Aerofly ist es einfach viel zu extrem. Auf der Aerofly Webseite gibt es aber einen Patch, der diesen Effekt wesentlich mildert und eine realistische Steuerung des Hecks zulässt. 

Sehr gut gefällt mir die exzellente Graphik die wirklich keine Wünsche übrig lässt. Es macht viel Spaß in zwischen Vereinshütte und Windsäcken herumzufliegen oder einfach auch nur die Landschaft zu erkunden. Eine große Halle ermöglicht sogar Indoor-Flugbetrieb.

Der Simulator eignet sich vor allem zum Erlernen des Schwebeflugs, des Nasen- und Rückenschwebens. Rundflüge sind natürlich auch problemlos möglich, allerdings wegen der begrenzen Sicht auf dem Bildschirm ist das etwas gewöhnungsbedürftig. Rundflüge empfinde ich mit einem realen Helikopter einfacher. Ob man komplexe Kunstflugfiguren am Bildschirm lernen kann wage ich derzeit noch zu bezweifeln, die Sicht ist einfach zu eingeschränkt.

Wie mir inzwischen mitgeteilt wurde, kann man auch Autorotationen üben. Man benötigt hierzu einen eigenen Kanal auf der Fernsteuerung der in der Software kalibriert und eingetragen werden muss.

Systemvoraussetzungen:

Aerofly für Windows erfordert einen mittelmäßigen modernen PC wie etwa einen Pentium 200 MHz oder natürlich etwas beliebig besseres. Betriebssystem kann Win95 oder Win98 sein. Unbedingt notwendig ist eine Graphikkarte mit 3D Hardwarebeschleuniger. Es wird der OpenGL Standard benutzt. Dummerweise wird dieser Standard von vielen Graphikkartenherstellern sehr stiefmütterlich behandelt und es gibt keine oder nur schlechte Treiber. Daher sollte man sich vor dem Kauf genau informieren, ob es eine funktionierende OpenGL Unterstützung für die Graphikkarte gibt. Nachteilig ist, dass die original CD Rom immer im Laufwerk bleiben muss. Das schließt den Betrieb auf manchen Notebooks bzw. im Flugzeug aus.

Meine Versuche eine 3D-Brille in Betrieb zu nehmen sind bisher fehlgeschlagen. Es soll Leute geben, die es schon geschafft haben, aber auch die klagen über unsaubere bzw. blitzende Bilder. Wenn man solche High-End Anwendungen plant, sollte man sich sehr gut beraten lassen und sich genau an die Vorgaben der Aerofly Hersteller halten. Entsprechende Informationen kann man auch im Aerofly Forum bekommen.

Sehr positiv ist, dass es eine Vielzahl von Anwendern gibt, die eigene Modelle und Szenerien entwickelt haben und diese auf diversen Webseiten kostenlos anbieten.

Plus und Minus:

Diese Punkte stellen meine persönliche Meinung dar, und sind KEIN objektiver Testbericht. Alle Leser die andere Erfahrungen gemacht haben sind eingeladen darüber ebenfalls zu berichten. Ich werde diese Erfahrungen gerne hier veröffentlichen. Zuschriften bitte an meine E-Mail.

++ geringe Systemvoraussetzungen
++ schnell
++ saubere und vielfältige Landschaftsdarstellung
++ viele Modelle verfügbar
+   realitätsnahe Simulation
+   einfache Fernsteuerungen verwendbar
-    bei der Auswahl der Graphikkarte ist Vorsicht geboten (OpenGL Standard)
-    schwierige Orientierung im Kunstflug
-    Probleme bei der Heckrotorsimulation
-    kein Bodeneffekt

Aerofly ist ein guter Allround Simulator der durch seine genügsamen Systemanforderungen auf den meisten PCs lauffähig sein sollte. Dadurch ist er speziell für Anfänger eine gute Wahl, die ihr Geld lieber in einen neuen Helikopter als in einen neuen PC stecken wollen. Bezüglich der Realitätsnähe darf man keine Wunderdinge erwarten, doch erfüllt er alle Anforderungen die für das Erlernen des Helikopterfliegens notwendig sind.