Flugsimulatoren:
Piccofly

Der Piccolo von Ikarus war der erste serienmäßig hergestellte Mikrohubschrauber auf dem Markt. Ich habe selbst zwar keinen, durfte aber schon öfters den Piccolo auf unserem Platz im Flug bewundern. Oberhalb des Bodeneffekts verhält er sich relativ beherrschbar, im Bodeneffekt ist er sehr agil.

Wie kann nun der Piccofly Simulator dieses sehr spezielle Flugverhalten nachbilden ? 

Ikarus schreibt: "Die Piccofly-3D-Flugsimulation bietet Ihnen Fliegen auf engstem Raum". Ich war gespannt wie meine ersten Piccofly-Flugversuche funktionieren würden.

Testbericht Piccofly:

Systemleistung / Optischer Eindruck:

Auch Piccofly benötigt einen ausreichend bestückten PC, was aber heute kein Problem mehr darstellen sollte. Ich benutze einen Pentium-II mit 266 MHz und eine NVIDIA kompatibler Graphikkarte. Mit dieser Ausrüstung schafft Piccofly zwischen 20 und 50 Bildern pro Sekunde, je nach Bildgröße. Das ist ausreichend für flüssiges Fliegen. 

Als ersten Eindruck präsentiert sich ein detailliert gestaltetes Wohnzimmer, mit offenen Türen zu anderen Räumen z.B. zur Küche. Piccofly hat nur ein Modell, natürlich den Piccolo, denn dafür wurde er schließlich auch gemacht.

Der optische Eindruck aller Graphiken ist, wie bei IPACS gewohnt, vorbildlich. Der simulierte Piccolo steht mitten im Wohnzimmer auf dem Boden, der Rotor steht still.

Einstellung:

Die folgenden Zeile sind fast identisch zum Testbericht des Simulators Easyfly.

Vor dem Flugspaß kommt die Einstellung von Piccofly auf den benutzten Sender. Dazu gibt es ein Kalibrierungsmenü. Erst stellt man die Knüppel in Mittelstellung, dann in Endstellung. Daraus lernt Piccofly den Knüppelweg. Danach kann man die Knüppel den verschiedenen Funktionen zuordnen. Es gibt Pitch/Gas, Heck, Roll und Nick. 

Die Kalibrierfunktion hat so ihre Tücken. Meine Versuche einen Billigsender zu benutzen scheiterten an dem stark unsymmetrischen Verhalten der Kalibrierung. Also nahm ich die MC-24 um die notwendige Anpassung am Sender vorzunehmen. Dabei zeigten sich teilweise extreme Einstellungen. Ich musste der Servoweg bis zu 70% von der Normalstellung wegziehen damit ihn Easyfly als "normal" erkannte. Zum Glück ist das mit den Möglichkeiten einer MC-24 kein Problem, was machen aber diejenigen mit einfacheren Sendern ?

Nachdem die MC24 eingestellt war, konnte das Fliegen beginnen:

Realitätsgrad:

Sobald man den Pitchknüppel betätigt, läuft der Rotor an. Der Piccolo ist ja drehzahlgesteuert, also ein völlig korrekt simuliertes Verhalten. Noch etwas mehr, und er hebt ab. Was dann beginnt ist ein wilder Eiertanz in alle Richtungen. Das Zimmer war mir anfangs zu klein, sodass ich Bekanntschaft mit sämtlichen Wänden und Einrichtungsgegenständen machte. Dieses Verhalten ist auch korrekt simuliert, da der reale Piccolo ebenfalls sehr agil ist. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran und steuert sehr schnell und präzise um den Piccolo unter Kontrolle zu halten. Ich habe mir Mithilfe der Expo-Funktion auf der MC-24 das Leben etwas leichter gemacht.

Trotzdem hat es viele Flüge gedauert, bis ich in der Lage war in die Küche zu fliegen (siehe Bild oben). Und das trotz 2 Jahren Eco-8 Erfahrung. Der Piccolo ist noch um einiges wilder und unkontrollierbarer. Ein Rückflug aus der Küche ist mir allerdings bisher noch nicht gelungen, da wäre sicher noch viel Übung notwendig.

Zusammenfassung:

Piccofly würde ich als "Spaßsimulator" bezeichnen. Zum Fliegenlernen gibt es sicher bessere Simulatoren (z.B. Easyfly). Interessant dürfte er für diejenigen sein, die einen Piccolo besitzen und aus Platzgründen keinen anderen Hubschrauber haben dürfen. Für diese Gruppe Modellflieger ist der Simulator allerdings lebenswichtig. Der reale Piccolo ist ein so giftiges und agiles Gerät, dass man einige Blumenvasen und Gardinen abholzen würde, wenn man nicht vorher am Simulator trainiert hätte.

Wer vorhat auch andere Hubschrauber zu fliegen, sollte sich lieber Easyfly oder teurere Simulatoren kaufen. Piccofly gibt es übrigens im sehr preisgünstigen Doppelpack zusammen mit Easyfly, was für angehende Piccolopiloten mehr als interessant ist. So kann man sich schrittweise mit größeren Hubis anfreunden.

Wie bei Easyfly muss auch bei Piccofly die Kalibrierungsfunktion verbessert werden, damit er auch mit Billigsendern vernünftig zu fliegen ist. Ikarus bietet einen Game-Commander an, was nichts anderes als ein Billigsender ist.  Möglicherweise ist dieser gut an Piccofly angepasst, was ich aber nicht getestet habe.

Details zu Leistungsmerkmalen und Preis findet man auf der Ikarus Homepage.