PICCOLO
Ein paar Erfahrungen mit dem Miniaturheli

Fliegen mit dem Piccolo:

Während eines Heli-Treffens hat mir Stefan freundlicherweise seinen Piccolo anvertraut um einen Indoor-Flug zu absolvieren.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Unterschied zwischen einem Eco-8 und einem großen Verbrennerhubi ist ungefähr genauso groß wie der Unterschied zwischen einem Piccolo und einem Eco-8. Mann, ist das Ding vielleicht agil ! Wenn man so etwas kleines bisher noch nicht geflogen hat, wird man anfangs viel zuwenig steuern. Der Piccolo erfordert schnelle, aber gefühlvolle, Reaktionen. Eine Expo-Einstellung im Sender ist sehr von Vorteil.

Während des letzten Jahres hatte ich mehrfach die Gelegenheit Piccolo Piloten zu beobachten. Als kritische Flugphase fiel mir dabei Start und Landung auf, da der Piccolo im Bodeneffekt sehr unruhig wird, was im schlimmsten Fall bis zur Unsteuerbarkeit geht. Entsprechend viele Crashs beim Schweben im Bodeneffekt waren zu sehen.

Dadurch vorgewarnt, schob ich den Drehzahlknüppel beherzt hoch um den Piccolo schnell auf Höhe zu bringen. In ca. 1,5m Höhe war er dann gut und sauber zu schweben.  Sauber schwebte er aber nur, solange die Konzentration nicht nachließ. Ein einziger falscher Gedanke und der Piccolo bricht zur Seite aus. Darauf folgend steuert man natürlich dagegen. Als Eco-8 Pilot macht man das aber nicht in der richtigen Dosierung, weshalb der Piccolo jetzt sofort in die andere Richtung ausbricht. Dieses hin- und herschwingen benötigt gut 2-3m Platz. Erst durch volle Konzentration konnte ich ihn wieder beruhigen und in den stabilen Schwebeflug bringen. Es ist doch etwas Gewohnheit und Übung erforderlich um mit dem kleinen Ding sauber zu fliegen.

Standfestigkeit der Bauteile:

Hier beginnt die Erfolgsstory des Piccolo. Der Begriff "unkaputtbar", der für den LMH-100 Hubi geprägt wurde, trifft im wesentlichen auch auf den Piccolo zu. Ich hatte zwar keinen Crash, was mir bei einem Leih-Hubi auch sehr unangenehm gewesen wäre, aber ich habe schon mehrere gesehen. Sowohl im Freien aus größerer Höhe, als auch jetzt in der Halle.

Bei einem Crash berührt wie gewohnt ein Rotorblatt den Boden. Dadurch zerfällt der Rotorkopf in seine Einzelteile. Erstaunlicherweise ging dabei nichts kaputt. Obwohl die Teile sehr filigran sind, fallen sie einfach auseinander. Nach dem Zusammenstecken fliegt er wieder als ob nichts gewesen wäre.

Flugzeit:

Normale Flugzeiten bewegen sich im Bereich von bis zu 6 Minuten. Dafür ist der Antrieb scheinbar ausgelegt, da Regler und Motor nur wenig Wärmeentwicklung zeigen. Rüstet man den Piccolo mit stärkeren Akkus aus um Flugzeiten bis zu 9 Minuten zu erhalten, so muss mit einer erheblichen Wärmeentwicklung gerechnet werden. Diese kann soweit gehen, dass Kunststoffteile zu schmelzen drohen. Daher ist in diesem Fall eine zusätzliche Kühlung des Motors sinnvoll. Entsprechende Kühlsterne, welche auf den Motor geklipst werden können, sind im Elektronik Fachhandel erhältlich.

Geeignet für Anfänger ?

Das ist eine der meistgestellten Fragen. Die Antwort ist schwierig.

Normalerweise müsste man mit einem klaren NEIN antworten. Ein Hubi der so extrem agil ist und saubere Steuerkommandos benötigt, fordert einem Piloten schon viel Übung und Gefühl ab.  Vor allem muss ein Anfänger zuerst nur im Bodeneffekt schweben lernen und gerade da hat der Piccolo seine Schwächen. Man kann mit dem Piccolo Fliegen lernen, einfach ist es aber bestimmt nicht.

Es gibt aber auch ein anderes sehr wichtiges Argument, das für den Piccolo als Einsteigerhubi spricht: er ist kaum kaputtzumachen. Nach einem Crash mit dem Eco-8 bestellt man erstmal Ersatzteile, wartet ein paar Tage, zahlt einige 100.- Euro und baut alles wieder zusammen. Ganz anders beim Piccolo. Man hebt die Teile auf, steckt sie zusammen.... und übt weiter. Dadurch kann man viel längere Übungszeiten erreichen, als mit einem Eco-8, was den Nachteil des schwierigen Fliegens vielleicht wieder wettmacht. Und wer einen Piccolo in die Luft bekommt, der sollte es mit etwas Übung auch mit jedem anderen Hubi schaffen.

zu diesem Thema hat mich von einem Piccolo und Eco-8 Piloten auch folgender Hinweis erreicht:

Da ich als Anfänger beide Helis hatte (ECO und Pic.) kann ich, glaube ich, sehr objektiv darüber berichten.
Sicher, die Ersatzteil Kosten und die nahezu "Unkaputtbarkeit" des Piccolo überzeugen.
Aber wie soll ein absoluter Anfänger jemals den Piccolo aus dem Bodeneffekt bekommen ?????
Den ECO kann man steuern bis er leicht wird und dann reagiert man. Beim Piccolo nicht ! Um Schweben zu lernen muss man fliegen können.
Gebt den Piccolo mal jemandem der noch nie einen Sender in der Hand hatte. Ihr werdet staunen. Da geht nix !
Der ECO ist einfacher zu lernen wenn auch komplexer im Aufbau, auch wenn ich meine beiden Piccolos nicht mehr missen möchte. Aber erst seit "fliegen" geht !