Kurt's Flugtagebuch
Januar/Februar/März 1999, der zehnte/elfte/zwölfte Monat nach dem Jungfernflug

1-3. Januar 1999
Eigentlich habe ich das Autorotationstraining abgeschlossen und wollte zu weiteren Dingen schreiten. Aber die Finger wollten nicht ! Die Sache mit der Autorotation macht mir im Moment soviel Spaß, daß ich einfach nicht anders kann. Wenn ich höher als 40m bin wippt der Finger zum Schalter und der Motor ist aus. Inzwischen habe ich sicher 40 oder 50 Landungen gemacht und keine Probleme mehr damit. Das Herz schlägt einfach höher wenn der Hubi ohne Motorkraft im steilen Gleitflug herunterdonnert und dann mit reiner Muskelkraft doch noch weich aufsetzt. Wenn man das erst einmal gemacht hat kann man verstehen warum das so großen Spaß macht.
'Unfall' gabs dabei keinen. Nur der Performacne-Motor hat wieder einmal den Geist aufgegeben. Es war wieder der übliche Wicklungsbruch wie schon früher öfters. Leider (?!?) passierte das nicht in der Luft (dann hätte ich die AR gleich ganz real machen können) sondern er ließ sich plötzlich einfach nicht mehr starten. Das hatte ich schon mal. Solange dieser Motor läuft, dreht er sich auch mit 2 Wicklungen noch. Nur wenn er mal steht, dann startet er nicht mehr.
Ersatzteile: Ersatzanker vom Performance-Motor
Durchgeführte Flugübungen : Autorotation
16-17. Januar 1999
Das Wetter war kalt aber schön. Eine feste Eisschicht auf der Schneedecke machte den Start zum Erlebnis. Der Hubi rutschte herum und drehte sich sofort wenn ich auch nur wenig Gas gab. Nur durch massiven Einsatz des Heckrotors war ein einigermaßen kontrolliertes Abheben möglich. Scheinbar wirkt der Kreisel noch nicht solange der Hubi noch Bodenkontakt hat. Ich flog mit dem Tuning-Eco fast 20 Akkus leer. Der Flugstil erinnerte mehr an ein wildes Herumbolzen als an vernünftiges Fliegen. Aber auch das muß mal sein. Es macht einfach enorm Spaß die Kraftreserven des X-250-4H Motors auszukosten und mit +14 Grad Pitch und Vollgas in den Himmel zu steigen und in wenigen Sekunden so hoch zu sein, daß man Angst bekommt. In dieser Höhe nahm ich den Pitch voll heraus (-4 Grad) und ging in steilem Sinkflug wieder herunter. Dabei machte ich eine eigenartige Erfahrung: Im steilen Sinkflug (fast Sturzflug) in ca. 50m Höhe unterschnitt der Eco plötzlich. Er stellte sich mit lautem Knattern und Zischen fast senkrecht und raste in Richtung Erdboden. Nur durch vollen Einsatz des Nick konnte ich ihn wieder abfangen. Zum Glück war genug Höhe da. Offensichtlich war der starke negative Pitch im Zusammenhang mit dem steilen Sinkflug bereits der Anfang eines Außenloopings. Jedenfalls machte ich nach diesem Vorfall einige gemütliche Runden um den Pulsschlag wieder auf normale Werte zu bekommen. Der Tuning-Eco läuft wie ein Uhrwerk. Vor allem nach Einbau der zusätzlichen Kugellager im Rotorkopf gibt es kaum mehr Abnutzungserscheinungen. Heute ist das Akku-Entladegerät fertig geworden. In Zukunft werde ich also nur mehr mit vernünftig entladenen Akkus arbeiten.
Ersatzteile: keine
Durchgeführte Flugübungen : wildes Fliegen
23.Januar - 7. Februar 1999
Aufgrund des winterlichen Wetters sind längere Flüge oder sogar irgendwelche Übungen oder Tests zur Zeit nicht möglich. Ich fliege ca. 4-6 Akkus pro Wochenende ohne spektakuläre Zwischenfälle. Der Trainingseco ist derzeit 'schwanzlos'. Ich weiß noch nicht ob ich ihn überhaupt wieder zusammenbauen werde. Der Tuning-Eco geht einfach so perfekt, daß ich gar keine Lust mehr habe mit dem Original-Eco zu fliegen. Vielleicht baue ich ihn in einen Rumpf-Hubi um. Zur Zeit haben wir noch fast 30cm Schnee. Hoffentlich kommt der Frühling bald !
Ersatzteile: keine
Durchgeführte Flugübungen : wildes Fliegen
6. März - 7. März 1999
ENDLICH ! Endlich ist das Wetter wieder schön. Die Abstinenz ist vorbei und man kann wieder fliegen. Die letzten Wochen hatte ich mit dem Bau verschiedenster Zubehörteile verbracht. Vor allem die neue Telemetrieplatine mußte sofort ausprobiert werden. Ich machte etliche Flüge mit dem Tuningeco. Die Meßergebnisse sind auf den Telemetrieseiten nachzulesen. Bis auf wenige 'Zitterpartien' gab es keine nennenswerten Probleme. Der kugelgelagerte Tuningeco läuft wie ein Uhrwerk. Seitdem ich diese Tuningmaßnahmen durchgeführt habe, ist auch kein Verschleiß mehr erkennbar. Zischendurch habe ich ein Verbrenner-Flächenflugzeug geflogen (zum ersten Mal nach 15 Jahren). Es ist schon erstaunlich wie einfach so ein Flugzeug im Vergleich zum Hubschrauber zu steuern ist. Einfach Vollgas und Starten, fertig. Wahrscheinlich hat das viele Üben mit dem Hubi auch etwas dazu beigertagen.
Ersatzteile: keine
Durchgeführte Flugübungen : Fliegen in allen mir geläufigen Spielarten
28. März 1999
Nun ist es genau ein Jahr her, daß ich den Eco zum ersten Mal gestartet hatte. Pünktlich zum Jahrestag kam die Katastrophe. Heute wollte ich noch einige Höhenmessungen mit der Telemetrie machen. Aus alter Erfahrung wußte ich, daß man in großer Höhe leicht die Orientierung verlieren kann, ich war also vorgewarnt.

Der edle Tuning-Eco war also mit der Telemetrieeinrichtung bestückt, die Akkus prallvoll geladen, das Wetter brauchbar, also stand dem Test nichts mehr im Wege. Ich startete wie gewohnt und schwebte erstmal 1 Minute zur Eingewöhnung. Alles verlief problemlos. Dann begann der Höhentest. Ich gab also voll Pitch und der Eco schoß gen Himmel. Der X-250-4H hat viel Kraft, also ging es recht zügig. In etwa 70m Höhe konzentrierte ich mich besonders gut um alles unter Kontrolle zu halten. Plötzlich drehte das Heck nach links weg. Da oben geht ein ordentlicher Wind, dachte ich und steuerte dagegen. Das Heck kam zurück, war aber komisch weich zu steuern (der Hubi war auch schon recht klein). Plötzlich flog er seitlich weg. Ich steuerte dagegen. Er drehte sich und flog in alle möglichen Richtungen. Irgendwas stimmt nicht ! Ich beendete sofort den Steigflug, minimum Pitch und runter gings. Allerdings nicht wohin ich wollte. Er reagierte schon noch irgendwie, aber nur widerwillig. In ca. 40m Höhe machte er fast einen Looping. Ich ahnte schon, daß das böse enden würde und steuerte so gut es ging über die grüne Wiese. In ca. 20m Höhe hing er mit der Nase senkrecht hinunter und eine Sekunde später erfolgte mit einem dumpfen Knall der Aufschlag im Gras.

Der Akku steckte genau 15cm tief im Erdreich. Die Nase des Eco war komplett zerbröselt. Wie durch ein Wunder hat die Telemetrie überlebt. Auch der Motor hat alles überstanden, was man vom Rotorkopf nicht sagen kann. Das Chassis sowie der Rotorkopf ist Totalschaden. Alle Wellen verbogen und die Rotorblätter in viele kleine Schnipsel zurstückelt. Zum Glück ist das CFK Heckrohr und die Heckmechanik unbeschädigt. Die Überreste des Tuning-Eco sind im Bild rechts zu sehen.

Was war passiert ? Details werden wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Aber aufgrund der eigenartigen Steuerbarkeit während des Absturzes könnte evt. ein abgesprungener Kugelkopf im Rotorgestänge die Ursache gewesen sein. Ich tippe auf die Verbindung zur Stabistange, das ist das einzige Plastikgelenk, welches der Tuningeco noch hatte. Springt das ab, so kann ein Blatt weit herumkippen, hängt aber immer noch an der Taumelscheibe. Vielleicht erklärt das die immer noch vorhandene geringfügige Steuerbarkeit.

Der Tuningeco muß nun komplett zerlegt und völlig neu aufgebaut werden. Dabei habe ich übrigens entdeckt, daß das untere Kugellager der Rotorwelle verrostet und schwergängig ist. Das erklärt vielleicht die etwas kürzere Flugzeit in den letzten Wochen.

crash2.jpg (56742 Byte)
Ersatzteile: Rotorblätter, Rotorwelle, Stabiwippe, Gestänge, Chassis, eine Zelle des Akkupacks, Blattlagerwelle
Durchgeführte Flugübungen : keine
 

Statistik des zehnten/elften/zwölften Monats nach Helicopter-Kauf

Stunden geübt: 20
Anzahl der Crashs aus über 1m Höhe: 1
Crashs in Bodennähe: 0
Anzahl der technischen Defekte: 1
Anzahl Reparaturen nach Crash: 1
Wartungsarbeiten: 2
Kenntnisse zum Einstellen des Senders: ziemlich gut
Stand der fliegerischen Ausbildung: Schweben und Fliegen in Normallage bereitet keine Probleme mehr.
Motivation zum Weitermachen: für viele Jahre gesichert