Kurt's Flugtagebuch
der zweite Monat

25-26.April 1998 Erkenntnisse
Endlich schönes Wetter. Der Heli ist vom letzten Wochenende noch in flugbereitem Zustand; trotz einiger Klebestellen hält noch alles zusammen.
Jetzt habe ich die Wahl: Will ich ein absolut crash-freies Wochenende hinlegen, dann muß ich weiter in geringer Höhe schweben. Dann passiert zwar nichts, aber ich lerne auch nichts. Da ich es bisher schon auf die harte Tour gemacht habe mache ich weiter so. Ich setze mir also das Ziel 45 Grad und 90 Grad Schweben in Höhen >3m zu üben. Ich übe fast 2 Stunden und es klappt teilweise schon recht brauchbar. 45 Grad geht fast perfekt, aber wie immer hängt alles vom Wind ab. Nachmittags steht die Sonne im Südwesten, von dort kommt auch der Wind. Also stehe ich gegen die Sonne. Wie ich so schwebe fliegt der Heli plötzlich genau zwischen mich und die Sonne. Ich sehe nichts mehr. Als ich den Heli nach ein paar Sekunden wieder sehen kann steht er senkrecht in der Luft (Heck nach unten) und steigt. Ich drehe das Heck herum worauf er nun senkrecht hinunter fliegt. Das geht so schnell in Bruchteilen einer Sekunde, daß die Schrecksekunde viel zu lang war. Er bohrt sich mit der Nase in den Boden wobei ein kleiner Krater entsteht. Ich will schon Schaufel und Besen holen um die Krümel aufzufegen aber sehe, daß fast nichts kaputt ist. Man soll es nicht glauben, der ECO hält was aus das gibt’s gar nicht. Die einzelnen Teile liegen zwar im Gras, sind aber für sich jeweils fast unbeschädigt. Nur die Verbindungsschrauben sind abgerissen. Nach einer guten Stunde habe ich wieder alles zusammengeschraubt und der Heli ist wieder flugfertig. So geht dieses Wochenende das Schweben weiter. Teilweise klappt 90 Grad schon sehr gut, wenn nur der Wind nicht wäre. Ab und zu dreht der Wind den Heli von 90 Grad auf 120 oder gar 180 Grad was Panik und schnelles zurückdrehen auslöst. Teilweise hat der Motor keine Kraft und kann den Heli kaum vom Boden abheben und wird sehr heiß. Ich prüfe alles x-mal auf Leichtgängigkeit (Gestänge, Lager, Zahnradspiel usw.) , reinige den Motor, aber es hilft nichts. Irgendwann zieht er dann wieder und steigt wieder auf gute 8m. Diese Probleme habe ich schon seit den ersten Tagen.
  Den Heli niemals zwischen Augen und Sonne fliegen lassen.
Ersatzteile: keine außer Kleinteilen.
Durchgeführte Flugübungen: Schweben 45 und 90 Grad, links-rechts Schweben, Ansätze von Achten-fliegen.
Trainingsstand: 45 Grad Schweben und links-rechts Schweben bei Wind. 90 Grad Schweben bei Windstille.
1-3.Mai 1998 Erkenntnisse
Endlich sind die gehärteten Wellen für den ECO gekommen. Schon deren Einbau war ein Vergnügen. Alles paßt perfekt. Keine Unwuchten mehr, der ECO läuft zum ersten Mal rund. Nur den Aluring der Taumelscheibe habe ich erweitern müssen. Er paßt zwar, nur schmiert das Alu auf der Stahlwelle derart, daß es nach einiger Zeit zu klemmen beginnt. Außerdem habe ich einen neuen Freilauf eingebaut, da der alte durchgerutscht ist und Leistung gefressen hat. Ein neuer Motor ist ebenfalls drin und jetzt hat der Eco wieder seine volle Kraft. Es war ein Vergnügen damit zu Schweben. Fast 15 Akkuladungen habe ich am Freitag geleert. Es war stark böiger Wind, sodaß ich hauptsächlich damit zu kämpfen hatte. Aber es ging alles gut. Samstag war Regen. So übte ich wieder am Trainingsbrett (unter Dach) das 90 Grad Schweben. Sonntags leerte ich eine Autobatterie bei 90 Grad Schwebeübungen. Ist verdammt schwer und dauert sicher noch einige Wochen bis es klappt. Außerdem habe ich noch beim Schweben in größeren Höhen 4 Akkuladungen verbraten. Ist ein komische Gefühl wenn der Heli so hoch oben ist, man muß höllisch aufpassen damit man noch weiß was das Ding tut. Einmal schwebte er dabei in großer Höhe rückwärts über meinen Kopf; die Panik war groß und ich kurbelte hilflos herum. Dadurch entfernte er sich in weitem Schwung wieder und ich konnte ihn abfangen. Beim letzten Flug hatte ich großes Glück. Ich hatte gerade ziemliche Vorwärtsfahrt in 3m Höhe als der Wind den Heli brutal zu Boden drückte. Ich zog gerade noch den Nick-Knüppel und er raste so knapp übers Gras, daß er mit den Kufen die Grashalme berührte. 1cm weiter unter und es hätte Schrauben geregnet. Mit großem Herzklopfen fing ich ihn dann noch ab und landete. Ich bin froh, daß der Heli noch in einem Stück ist.   Die Hersteller verkaufen als Tuningteile die guten Materialien die eigentlich gleich beim Bausatz dabei sein sollten. Jedenfalls kann man sich damit das Leben viel leichter machen.
Ersatzteile: keine.
Durchgeführte Flugübungen: Schweben 45 und 90 Grad.
Trainingsstand: Mittlerer Wind ist kaum mehr ein Problem.
9-10.Mai 1998 Erkenntnisse
Der Heli ist vom letzten Wochenende noch unbeschädigt in einem Stück. Dann haben wir noch ein Traum-Wetter. Es kann also losgehen. Samstags und Sonntags habe ich insgesamt 25 Akku Ladungen verflogen. Ich habe den ECO hauptsächlich in Höhen zwischen 5 und 10m gehalten und dort Schwebeübungen mit seitwärts stehendem Heli durchgeführt. Ab und zu habe ich die Kontrolle verloren, als der Wind die Nase zu mir gedreht hat. Dank der Höhe konnte ich ihn aber wieder schnell umdrehen und abfangen. So gab es keine besonderen 'Zitterpartien' und alles lief glatt. Meine Frau hat fleißig fotografiert, was ich später hier auf der Webseite zeigen werde. Am Sonntag Nachmittag beim letzten Flug habe ich mir gesagt: Wenn ich jetzt einen Crash baue, so ist's nicht so schlimm da ich eine Woche zum Beschaffen der Ersatzteile habe. Ich fühlte mich soweit, daß ich zum ersten Mal ohne Trainingsgestell fliegen wollte. Gesagt getan, die Trainings-Sticks wurden abmontiert. Ist ein komisches Gefühl wenn der Heli so 'nackt' dasteht. Die Landekufen sind wirklich sehr klein. Ich bin es dann ganz vorsichtig angegangen. Erst mal langsam Gasgeben bis er leicht wird. Dann war es eigentlich kein Problem mehr. Wenn der Heli leicht ist, so wird er sowieso schon vom Rotor getragen und kann nicht mehr umfallen (vorausgesetzt man steuert ihn richtig). Also noch mehr Gas und er hat abgehoben. Jetzt versuchte ich gleich das Interessantere, die Landung auf diesen 'winzigen' Landekufen. Ich suchte mir ein Gänseblümchen als Landepunkt aus und ging langsam runter. Im Bodeneffekt wurde er sehr unruhig und umkreiste das Gänseblümchen auf gut einem Meter. Dann berührte die erste Kufe den Boden und der Heli wurde viel ruhiger und ließ sich gut aufsetzen. Es war geschafft, ein wichtiger Tag heute ! Diese Übung wiederholte ich bis der Akku leer war und der Eco ist immer noch in gutem Zustand. Heute bin ich richtig erleichtert.   Seitenschweben ist auf einer Heli-Seite viel einfacher als auf der anderen.
Ersatzteile: keine.
Durchgeführte Flugübungen: Schweben 90 Grad, Starten und Landen ohne Trainingsgestell.
Trainingsstand: Schweben bei böigem Wind. Schweben bei 45 Grad und bei 90 Grad wenn man die linke Heli Seite sieht (an der rechten muß ich noch arbeiten).
16-17.Mai 1998 Erkenntnisse
Samstag, 16.5.98: Das Wunder:

Ein herrlicher Tag. Teilweise ziehen dunkle Wolken über den Himmel und entsprechend weht böiger bis starker Wind. Aber es kommt kein Gewitter. Das Schweben gestaltet sich interessant. Der Wind zerrt kräftig am Heli aber ich komme damit ganz gut zurecht. Heute verbrate ich ca. 15 Akkuladungen beim Seitenschweben und bei ganz kurzen Vorwärtsflügen. Der Wind zieht den Heli manchmal in große Höhen. Es ist immer wieder interessant ihn von dort oben wieder herunter zu manövrieren. Das Seitenschweben geht auch auf der 'schlechten Seite' ganz gut. Man merkt einen gewissen Fortschritt. Teilweise traue ich mich auch schon für ein paar Sekunden über 90 Grad hinauszugehen und die Nase mehr in meine Richtung zu drehen. Beim letzten Flug am Abend und bei einem solchen Versuch kommt es wie es kommen muß. Eine starke Böe fährt in den Rotor und drückt den Heli rückwärts hinter mich. Jetzt hatte ich schon eine schwierige Fluglage und jetzt das ganze auch noch hinter mir. Durch den folgenden Verlust der Kontrolle macht der Heli eine weite Pendelbewegung nach hinten. Höhe wäre genug da gewesen um das abzufangen, nur da hinten stehen ein paar hohe Bäume. Der Heli nähert sich in Sekunden einem Baum und ich höre die Äste schon knacken. Der Hauptrotor streift die Blätter, die in kleinen Schnipseln zu Boden fallen. Ich stelle mich schon auf einen Schraubenregen ein, trotzdem kämpfe ich weiter am Steuerknüppel. Der Heli dreht sich und nun fräst sich der Heckrotor in die Blätter. Kleinere Blattschnipsel fallen herunter. Irgendwie, ich weiß wirklich nicht wie, schaffe ich es den Heli vom Baum wegzubekommen. Durch meine panischen Steuerkommandos fliegt er weite Schwünge von mindestens 50m in alle Richtungen. Außerdem läßt er sich kaum steuern. Ich hänge verkrampft am Knüppel und tue mein Möglichstes um das Ding wieder unter Kontrolle zu bringen. Nach gut 2 Minuten habe ich ihn wieder im Griff und lasse ihn aus ca. 30m Höhe langsam herunterschweben und landen. Die Heckrotoransteuerung hatte sich durch den Baum etwas verklemmt, war aber gleich wieder repariert. Daß der Heli noch in einem Stück ist kann ich nur einem Wunder zuschreiben. Danach beende ich den heutigen Flugtag und mache ein kühles Bier zur Entspannung auf. Der Sonntag verlief bei ähnlichen Übungen ohne besondere Vorkommnisse.

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Ersatzteile: keine
Durchgeführte Flugübungen: Seitenschweben und ganz kurze Vorwärtsflüge mit Abfangen
Trainingsstand: Schweben bei böigem Wind. Seitenschweben auf beiden Seiten.
 

Statistik des zweiten Monats nach Helicopter-Kauf

Stunden geübt: ca. 25 Flugstunden
Anzahl der Crashs aus über 1m Höhe: 1
Crashs in Bodennähe: 0
Anzahl der technischen Defekte: 3 (Freilauf, Motor und Messingbuchse)
Anzahl Reparaturen nach Crash: 0
Wartungsarbeiten: 4 (gehärtete Wellen eingebaut, Heckrotor-Messingbuchse erneuert, neuer Freilauf, neuer Motor)
Kosten für Tuning- und Ersatzteile: ca. 180 €
Stand der technischen Ausbildung: Sehr gut; könnte einen eigenen Heli bauen (will aber nicht)
Kenntnisse zum Einstellen des Heli: Sehr gut, bei Windstille schwebt er fast alleine
Kenntnisse zum Einstellen des Senders: Mittel, bin mit der Gaskurve noch nicht zufrieden
Stand der fliegerischen Ausbildung: Seitenschweben und schweben bei böigem bis starkem Wind.
Motivation zum Weitermachen: Hoch, bin süchtig !