Kurt's Flugtagebuch

Drittes Jahr, vierter+fünfter+sechster+siebter Monat

Juli, August 2000
wie geplant, versuche ich die zur Verfügung stehende Zeit zum Üben des Rückenflugs zu nutzen. Es geht langsam voran. Inzwischen habe ich immerhin soviel Sicherheit erreicht, dass keine akute Absturzgefahr mehr besteht. Die üblichen Flüge sehen so aus:

Kurzer normaler Rundflug. Recht hinaufsteigen, umdehen und Fahrt aufnehmen. Vor mir nach links fliegen und links einen halben Looping in den Rückenflug. Dann von links nach rechts im Rückenflug. Je nach Laune und Nerven mache ich dann eine oder mehrere Kurven und versuche ein paar Achten am Rücken zu fliegen. Das gelingt mal besser, mal schlechter, je nach Verfassung des Piloten. Wenn irgendwas nicht stimmt, breche ich sofort ab. Im August habe ich noch eine weitere Figur begonnen. Ich fliege schnell geradeaus und rolle den Hubi auf den Rücken. Dann versuche ich weiter geradeaus zu fliegen und danach mit einem halben Außenlooping wieder in Normalfluglage zu kommen.

Mit dem Rückenschweben bin ich noch nicht viel weiter gekommen. In ca. 30m Höhe kann ich einigermassen stabil schweben. Allerdings traue ich mich noch nicht tiefer zu schweben. Bis zum "Rasenmähen" wird es also noch einige Zeit dauern.

Das es immer besser geht erkenne ich daran, dass es mir schon ein paar mal gelungen ist den Hubi aus kritischen Fluglagen zu retten. Noch vor ein paar Monaten wäre das der sichere Absturz gewesen. Wenn alles so weitergeht, kann ich diesen Herbst den X-Treme wieder zum Einsatz bringen. Die ganze Kunstfliegerei habe ich bisher mit dem Ergo-50 gemacht, der sehr schön läuft. Wann ich das gleiche mit dem agilen Eco-8 schaffe weiß ich noch nicht, aber ich werde es in Kürze probieren. Nachdem ich jetzt den HB30-12 Motor habe, kann ich mich zumindest auf die konstante Drehzahl verlassen.

Mit dem Eco-8 hatte ich ein lehrreiches Erlebnis. Während relativ starkem Wind wollte ich einige Flüge vorführen und schwebte in ca. 10m Entfernung vor mir. Eine Bö erfasste den Eco und drückte ihn stark nach hinten über unsere Köpfe, das Geschrei der Zuschauer kann man sich vorstellen! Ich gab voll Pitch und stellte ihn voll gegen den Wind um wieder von den Leuten wegzukommen. Aber es dauerte einige lange Sekunden, bis er wieder in Sicherheitsabstand war. Der Eco war zwar zu keiner Zeit außer Kontrolle, doch hatte mir diese Situation das Blut in den Adern gefrieren lassen. Man darf wirklich nie vergessen, was für ein leichtes Fluggerät der Eco-8 nun mal ist. Starker Wind macht mit dem Ding was er will und ab einer gewissen Windstärke sollte er lieber am Boden bleiben !

Ersatzteile: keine
September 2000
Das viele Üben trägt Früchte. Inzwischen geht der Rückenrundflug sehr schön. Langsam merke ich, wie sich die Motorik einstellt und die Anspannung geringer wird. Gleichzeitig verringere ich auch meine Flughöhe und hatte Ende September schon ein paar Flüge unter 5m Höhe gemacht. Auch das Rückenschweben wird immer sicherer. In Heckposition traue ich mich bis ca. 3m über den Boden. In Nasenposition übe ich noch in größerer Höhe, da das noch eine recht wacklige Angelegenheit ist.

Zusätzlich mache ich die ersten Versuche des Rückwärtsfliegens. Nach mehreren Trainingsstunden am Simulator klappen schon Rückwärtskreise. Allerdings noch nicht unter voller Kontrolle. Eher hingewürgt, aber immerhin. Eine eierförmige Rückwärtsacht habe ich auch einmal geschafft, zugegeben mit viel Glück. Das ganze brachte mich noch auf die Idee eine weitere Figur zu probieren: Im Rückwärtsflug beschleunigen, dann das Heck hochziehen. Sobald der Hubi senkrecht steht, viel negativen Pitch geben und mit einem halben Außenlooping in den Rückenflug gehen. Eine mehrfache Aneinanderreihung dieser Figur, habe ich schon mal auf einem 3D-Video gesehen. Sieht gut aus !

Ersatzteile: keine
Oktober 2000
Die folgende Geschichte soll ein abschreckendes Beispiel für all jene sein, die es immer noch nicht besser wissen als ich:

Der erste Oktober hatte sehr schön begonnen. Das Wetter war trüb aber trocken, der Flugplatz menschenleer und jede Menge Zeit zum Fliegen. Also begann ich mit dem Sky Dragon und dem X-Treme meine Runden zu drehen. Ich flog fast 2 Stunden nur durch das Auftanken unterbrochen. Vor allem übte ich Rundflüge am Rücken, was inzwischen recht schön geht. Auch in niedriger Höhe (2-3m) fühle ich mich schon relativ sicher. Angespannt bin ich aber nach wie vor wenn der Heli mit den Kufen gegen den Himmel schaut.

Und dann passierte es, der Super-GAU-Crash. Eigentlich weiß es jeder Anfänger aus vielen Helibüchern, aber mir musste es passieren, die reine Dummheit. Was war geschehen ? 

Nach zwei Stunden reiner Flugzeit war ich schon etwas müde und beschloss eine längere Pause einzulegen, sicher eine gute Idee. Kurz darauf kamen weitere Modellflieger und Zuschauer auf den Platz und beobachteten das Geschehen. In dem ganzen Treiben, vergaß ich meine Müdigkeit und beschloss "noch einen letzen Flug" zu machen. Wie kann man nur so dumm sein ? Das weiß doch jedes Kind, dass das zur Katastrophe führen muss.

Also nahm das Schicksal seinen Lauf: Ich flog einige Schwebepirouetten und Achten. Dann hinauf in den Himmel, ein Turn, mit Voll-Speed hinunter in einen Looping, es lief alles wie am Schnürchen. Dann eine halbe Rolle in den Rückenflug und weiter gings mit Kreisen und Achten am Rücken. In einer Kurve habe ich ihn dann zu langsam gemacht und kam in den Schwebeflug. Kein Problem, also schwebte ich ca. 3m über dem Boden, mit den Kufen nach oben. Nach kurzer Zeit wollte ich wieder steigen und gab Pitch. Aber anstatt zu steigen, sank der Hubi ! Es dauerte nur weniger als eine Sekunde, bis er im trockenen Feld verschwand. Eine fast 5m hohe Staubwolke füllte den Horizont. Dann war alles still und ruhig und sowohl Piloten als auch Zuschauer starrten entsetzt auf die Grube im Erdreich. Der Sky Dragon hat sich mit voller Wucht, mit den Rotorblättern nach unten, in den Boden gegraben und bot ein Bild des Grauens, Totalschaden. Das Chassis war in zwei Teile zerrissen und der Rotorkopf sah aus wie ein Knäuel aus Metall und Erdreich. Unmittelbar nach dem Crash sah ich auf meinen Sender, der Pitchknüppel war in die falsche Richtung gestellt. Ich steuerte ihn selbst in den Boden.

Obwohl es sowieso schon jeder weiß, hier nochmals ganz eindringlich: Mache niemals, absolut niemals, "noch einen letzten Flug" !

Ersatzteile: der Platz hier reicht nicht