Kurt's Flugtagebuch

Drittes Jahr, erster+zweiter+dritter Monat

April, Mai 2000
Das dritte Jahr soll voll im Zeichen des Rückenflugs stehen. Aus diesem Grund habe ich auch einen Ergo-50 angeschafft, der deutlich billiger zu reparieren ist als ein Vario X-Treme. Erst wird am Simulator geübt, dann mit dem Ergo und später wenn alles sitzt, mit dem X-Treme geflogen.

Zusätzlich übe ich noch am Sonntag mit dem Eco-8 auf einer grünen Wiese. Mit dem Ergo geht es zwar deutlich besser, allerdings sind bei schönem Wetter die Übungsmöglichkeiten durch den großen Andrang am Flugplatz relativ eingeschränkt. Daher muss der Eco-8 herhalten. Außerdem ist mein Eco-8 Ersatzteillager derzeit gut bestückt, was bei Rückenflugübungen sehr von Vorteil ist.

Am Sonntag den 7.5. flog ich erstmals auf der Wiese in der Nähe unseres Hauses. Ich flog einige Runden mit dem Eco-8, stieg dann auf 30m Höhe und drehte ihn auf den Rücken. Uffff, das dauert aber lang. Er dreht sich relativ langsam und verliert dadurch in Seitenlage rapide an Höhe (ich drehe ihn mit dem Roll über seine rechte Seite). Er braucht fast 10m um zu drehen. In ca. 5m Höhe konnte ich ihn abfangen und mit voll negativ Pitch wieder auf Höhe bringen. Nach kurzem Schweben drehte ich zurück, flog einige normale Runden und wiederholte das Spiel:

Aufsteigen auf 20m Höhe, umdrehen und .... ächts.... stöhn .... er verliert enorm Höhe in der Seitenlage, ich kralle mich an den Knüppeln fest und kurble was das Zeug hält. Ungefähr 1m über dem Boden bin ich endlich in Rückenlage, jaja der Eco-8, aber ich auch fast da ich mit vollem Körpereinsatz mitgesteuert hatte. Die Höhe hatte gerade noch ausgereicht, aber was ist das ? Da springt doch glatt ein Busch in den Weg, wo kommt der denn her ? Den weiten Schwung des Eco konnte ich nicht mehr stoppen und er kracht seitwärts und auf dem Rücken liegend in die Äste. Ein kurzes Aufheulen des Motors und Stille... Als ich den Hubi aus den Ästen hole traue ich meinen Augen nicht. Nur die Stabistange war verbogen. Sonst keinerlei defekt. Sogar die Rotorwelle war noch gerade. Nach der kurzen Reparatur konnte ich noch 15 Minuten Rückenschweben. Es klappt schon einigermaßen, erfordert aber noch volle Konzentration. Ein bellender Hund bringt mich zeitweise in Konzentrationsschwierigkeiten (vergleiche meine ersten Übungen 18.4.1998 ). Umdrehen tue ich den Eco jetzt lieber in 50m Höhe, und das braucht er auch.

Ersatzteile: Stabistange
9. Juni 2000
Die Flugübungen laufen auf vollen Touren, jedenfalls soviel es die knappe Zeit zulässt. Aufgrund der problematischen  Erfahrungen mit dem Umdrehen des Helis im Mai, mache ich das jetzt anders:
Ich schwebe in ca. 20m Höhe mit der Nase zu mir. Dann voll Nick ziehen bis sich der Hubi auf den Rücken dreht. Das hat den Vorteil, dass jetzt das Heck zu mir zeigt. Jetzt mit voller Konzentration Nick und Roll ausgleichen und gleichzeitig das Heck ruhig halten. Auf diese Art ist das Umdrehen auch mit dem labbrigen Eco relativ problemlos.
Und wie gehts wieder zurück ? Nachdem ich bei zwei halben Loopings (Abschwung) in den Erdboden gekracht bin, mache ichs jetzt genau umgekehrt. Will ich aus der Rückenlage heraus, so drücke ich voll Nick und der Hubi macht einen halben Außenlooping aufwärts. Dadurch gewinnt er an Höhe, die man im Notfall sehr gut brauchen kann.

Im Juni habe ich mit allen meinen Hubis Kunstflug und Rückenflug gemacht. Dabei eigneten sie sich wie folgt:
* Vario X-Trem: perfekte Kunstflugmaschine. Fliegt wie auf Schienen
* Ergo 50: kraftvoll, etwas wackeliger als der Vario, aber immer noch gut zu beherrschen. Voraussetzung ist das Tuningrotorkopfmittelstück um -10 Grad Pitch zu erreichen.
* Ergo 30: in Originalausführung für Kunstflug aber nicht für 3D geeignet. Für 3D wäre ein 7,5cm Motor notwendig.
* ECO-8: sehr labil und zickig. Macht aber alles mit sofern der Pilot sensibel steuert.

Ersatzteile: keine
16. Juni 2000

Heute war ein entscheidender Tag für meine Heli-Fliegerei !
Nach genau 10 Monaten Training, ist erstmals ein Kreis und eine Acht im Rückenflug gelungen und das ohne Knieschlottern oder Herzklopfen. Wahnsinn, war das eine harte Lernphase. Ich bin sicher kein Naturtalent, aber mit Hartnäckigkeit und Ausdauer war es zu schaffen. Anfang der Woche konnte ich gerade mal einige kurze gerade Stücke und eine angedeutete Kurve fliegen. Als das relativ problemlos ging, nahm ich allen Mut zusammen und drehte das Heck um 180 Grad um wieder zurückzufliegen. Nach ein paar Versuchen klappte das dann auch. Einige Liter Sprit später, konnte ich endlich den heißersehnten Rundflug machen. 
Was für ein Gefühl ! Man fühlt sich wie ein Fisch im Wasser, Herumdrehen, Purzelbäume schlagen frei von jeder Beschränkung, es macht wahnsinnigen Spaß ! Und das schon jetzt am Anfang. Wie toll wird es erst, wenn das alles in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Bisher gab es drei Ereignisse, welche die Qualität und den Spaß an der Hubifliegerei entscheidend beeinflußten: 
* Normaler Schwebeflug (ganz am Anfang)
* Nasenschweben
* Rückenflug

Sicher sind noch viele Stufen vor mir. Aber das meistern des Rückenflugs ist schon enorm motivierend. Und das wichtigste: ich habe gelernt, den Hubi in kritischen Situationen zu retten. Seit mehr als 10 Litern Rückenflug kein Crash, nicht mal die Gefahr eines Crashs.
Ich kann nur jedem empfehlen diese Stufe zu schaffen. Es ist unglaublich, was in so einem Fluggerät für Möglichkeiten stecken !

Ersatzteile: keine