Der Einstieg

Solche und ähnliche Fragen erreichen mich fast täglich, allerhöchste Zeit hier ein paar Antworten zu geben:


Der Markt ist zum Glück voll von schönen und weniger schönen Geräten und Modellen, so dass eine große Zahl möglicher Varianten zur Verfügung steht.

Ich möchte daher hier versuchen die ganze Sache etwas zu strukturieren. Die Auswahl von Modellen und Komponenten richtet sich vor allem nach:


Der völlige Modellbau-Neuling

Die Steuerung von Flugmodellen kann sehr befriedigend sein, hat aber einige Tücken die man erst mal meistern muss. Die erste Hürde bei der Steuerung jedes Modells ist, wenn das Modell auf den Piloten zufliegt (zufährt). Die dabei auftretende scheinbare Verdrehung der Steuerfunktionen braucht einige Übung. Das ist auch der Grund, warum ich vor dem Einstieg zum Modellhubschrauber erst einen Zwischenschritt empfehle: Man sollte ein Gefühl für eine Fernsteuerung entwickeln. 

Das kann mit einem billigen Modellauto oder besser mit einem Elektro-Segler gemacht werden. Hubschrauber-Interessierte sollten sich bereits von Anfang an auch einen PC-Simulator gönnen. Aber Vorsicht: ein Simulator allein reicht nicht ! Ein reales Modell bringt einfach den gewissen "Kick", den ein Simulator nie vermitteln kann.

Meine konkrete Empfehlung für den Neueinsteiger ins R/C-Hubschrauber Hobby ist daher folgende:

Nachdem man einige Tage am PC geübt hat, geht man mit dem Segler auf die grüne Wiese und macht die ersten Flugversuche. Mit ein bisschen Konzentration sollte man in der Lage sein das Ding zu fliegen. Als überaus hilfreich hat es sich erwiesen, wenn man einige Zeit lang mit einem billigen ferngesteuerten Spielzeugauto in der Wohnung herumfährt. Die Dinger kosten nur 25 €. Wenn man es nicht mehr braucht, kann man es irgendeinem Kind  weiterschenken.

Während dieser ersten Übungstage sollte man sofort Kontakt zum DMFV aufnehmen um nach einem Modellbauverein in der Nachbarschaft suchen.

Um den Segler zu fliegen und den Simulator zu betreiben braucht man natürlich eine Fernsteuerung. Aber bloß welche ? Hier die Antwort:


Die Fernsteuerung

Auch hier gibt es eine große Menge Angebote. Aber man sollte bereits von Anfang an daran denken, dass man ja irgendwann einen Hubschrauber fliegen will. Aus diesem Grund kommen billige Geräte kaum in Betracht. Der Sender sollte zumindest über einen Taumelscheibenmischer verfügen. Hier muss bereits der Geldbeutel ein gewichtiges Wort mitreden, denn bis hinauf zu 1000 € ist fast alles möglich. Wer wirklich an Hubschraubern interessiert ist darf hier nicht sparen ! 

Von Graupner kommen die Sender MC18, MC20 oder MC24 oder von Robbe die FC18 oder FC28 in Frage. Da viele Piloten öfters auf die neuesten Modelle umsteigen, findet man die MC20 oft als Gebrauchtgerät zu interessanten Preisen. Kleinere Sender sollte man nur wählen (sofern sie hubi-tauglich sind), wenn man später bereit ist eventuell einen neuen zu kaufen.

Wie sieht es mit dem Empfänger aus ? Hier kann man nicht viel falsch machen wenn man einen Markenempfänger kauft, der vom gleichen Hersteller wie der Sender stammt. Keinesfalls sollte man billige "Slow-Flyer" oder Miniaturempfänger kaufen. Übliche Standardempfänger wie z.B. der Graupner C19 oder SMC-19 oder andere sind gut brauchbar. PPM Empfänger sind ideal (PCM Empfänger haben in speziellen Situationen Vorteile, die ein Einsteiger aber kaum merken wird). Wer ein paar Mark mehr ausgeben will, kann sich einen Doppelsuper-Empfänger kaufen, wie z.B. den Graupner SMC-19DS.


Die Servos

Servos haben einige wichtige Daten, nach denen sie ausgewählt werden. Vor allem ist die maximale Stellkraft wichtig. Diese muss mit guter Reserve zum Modell passen. Wenn man bereits einen Hubi in Planung hat, kann man von folgender Grundempfehlung ausgehen:

Im Laufe der Zeit habe ich mir beim Servokauf für Hubis folgende persönliche Regeln angewöhnt:

* Kunststoffgetriebe (Metall hat zuviel Spiel)
* Servos bei denen der Motor nicht direkt auf die Platine gelötet ist (also keine C5007, sondern die erwähnten C4041)
* keine Alu-Servohebel (belastet das Getriebe zu stark)
* Servos mit Kugellagern sind vorzuziehen (leider teurer)


Vor dem Erstflug

Vor dem Erstflug kommt noch eine sehr wichtige Sache , die man keinesfalls vergessen darf, da das sonst teure Konsequenzen haben könnte !

  1. Abschließen einer Haftpflichtversicherung für Modellflug. Sehr günstige Versicherungen kann man gleich über den DMFV abschließen, wo man auch entsprechend beraten wird.

Wo darf ich fliegen ?

Es ist erstaunlich, wie viele Gerüchte es zu dieser Frage gibt. Hier die Antwort:

Generell gilt: Nur dort fliegen, wo Ärger unwahrscheinlich ist. Es ist sehr unangenehm wenn man landen muss, weil ein Förster mit der  Schrotflinte herumfuchtelt.


Der Hubschrauber

Hier beginnt die Qual der Wahl. Die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Daher hier nur eine kleine Auswahl als mögliche Entscheidungshilfe:

LMH-100: Dieser amerikanische Hubi besticht durch seine Einfachheit. Mit wenigen Bauteilen ist es gelungen einen Modellhubi in die Luft zu bringen. Er wird im allgemeinen als "unkaputtbar" bezeichnet, da er kleinere Crashs ohne Schaden wegstecken kann. Inzwischen hat sich schon eine Fan-Gemeinde aus eingeschworenen LMH-100 Piloten gebildet. Andere wiederum bezeichnen ihn nicht als richtigen Hubi, da ihm wesentliche Elemente eines vollwertigen Hubschraubers fehlen. Aus meiner Sicht ist er ideal für absolute Anfänger, die aus Rücksicht auf den Geldbeutel erst mal klein Anfangen und nur geringe Kosten bei Crashs in Kauf nehmen wollen. Hat man den Schwebeflug erlernt so ist ein späterer Umstieg auf einen anderen Modellhubi  sinnvoll.
Vorteile: 
* Preisgünstige Anschaffung
* Überlebt viele Crashs unbeschadet
* Billige Ersatzteile
Nachteile:
* schwieriger zu Fliegen als ein größerer Hubi
* keine Pitchsteuerung, die heute Standard bei Modellhubis ist
* mechanischer Heckkreisel
* gewöhnungsbedürftiger Verbrennermotor (E-Versionen werden inzwischen angeboten)

 

ECO-8: Ein E-Hubi deutscher Herstellung, der trotz seiner geringen Größe alle Eigenschaften eines ausgewachsenen Modellhubis bietet. Erfahrene Modellflieger können ihn bis zum Kunstflug ausbauen. Aufgrund seiner Konstruktion ist er auch bei leichten Crashs bruchgefährdet, wie die meisten anderen Hubis auch. Ein gutes Trainingsgestell ist für den Anfänger Voraussetzung. Aufgrund der geringen Größe ist er schwieriger zu Fliegen. Durch seine einfache Konstruktion ist er leicht zu reparieren. Durch die ideale Kombination von Größe und Gewicht kann man ihn kostengünstig elektrisch motorisieren und erhält Flugzeiten von über 10 Minuten pro Akkuladung. Er eignet sich ideal zum Üben auf kleineren Flächen (hinter dem Haus).
Vorteile:
* Klein, aber ein "echter" Modellhubi
* Preisgünstige Anschaffung
* Durch E-Antrieb überall fliegbar
Nachteile:
* relativ anfällige Konstruktion, bei Crashs fast immer Bruch
* schwieriger zu Fliegen als ein größerer Hubi

 

LOGO-20: Ebenfalls ein E-Hubi deutscher Fertigung. Professionelle und stabile Konstruktion, kann sich mit großen Modellhubis in jedem Fall messen. Vom Schwebetraining bis zum Kunstflug verwendbar. Aufgrund der üblichen Hubi-Konstruktion ist auch er bei Crashs meist bruchgefährdet, man sollte also ein ausreichendes Trainingsgestell haben. Es ist meiner Meinung nach einer der besten E-Hubis seiner Größe, da er sehr sauber verarbeitet ist und der Bau kaum Probleme machen wird. Durch das etwas höhere Gewicht und die dadurch notwendige stärkere Motorisierung ist er nicht ganz billig. Für Einsteiger mit etwas finanziellen Reserven der ideale Hubi.
Vorteile:
* Ein echter Modellhubi mittlerer Größe
* sehr saubere und präzise Verarbeitung
* Durch E-Antrieb fast überall fliegbar
* gut zum Fliegenlernen geeignet
Nachteile:
* relativ teure Motorisierung, für Hubi+Antrieb kommt man schon zwischen 800 - 1000 € 
* bei den meisten Crashs bruchgefährdet

 

46/50er-Größe
Verbrenner-
hubis:
Vor allem in Japan haben diese etwas kleineren Verbrennerhubis ihren Siegeszug angetreten. Daher kommen die meisten Modell auch über den Ozean zu uns. Speziell um den Raptor hat sich auch bei uns eine riesige Fan-Gemeinde gebildet. Vorteil ist der günstige Anschaffungspreis und die preiswerte Motorisierung. Trotzdem bietet er Flugleistungen die knapp an die Hubis der 60er Größe heranreichen. Wegen des Verbrennerantriebs sind sie nur auf Modellflugplätzen fliegbar. Natürlich braucht man auch hier ein Trainingsgestell, da der kräftige Motor in Falle eines Crashs ziemlichen Bruch verursacht. Wer nicht in einen doppelt so teuren 60er Hubi investieren will, für den ist diese Hubigröße der ideale Einstieg. Es gibt viele gleichwertige Modelle wie z.B.: Graupner-Ergo50, Raptor, Moskito, Nexus-46 usw.
Vorteile:
* große Modellauswahl
* meist saubere und präzise Verarbeitung
* einfacher zu fliegen als kleinere Hubis
* preiswerter Antrieb
* gut zum Fliegenlernen geeignet
Nachteile:
* Wegen Verbrennungsmotor meist nur auf Modellflugplätzen fliegbar
* bei den meisten Crashs bruchgefährdet
* manchmal problematische Ersatzteilversorgung, da japanische Hersteller (z.B. beim Nexus !)

 

60er-Größe
Verbrenner-
hubis:
Die Standard-Arbeitspferde unter den Modellhubis. In Flugschulen werden sie fast ausnahmslos zum Flugtraining eingesetzt. Durch die kräftige Motorisierung und ihre Größe fliegen sie ziemlich stabil und eignen sich zum Erlernen des Schwebeflugs sehr gut. Wegen des Verbrennerantriebs sind sie nur auf Modellflugplätzen fliegbar. Natürlich braucht man auch hier ein Trainingsgestell, da der kräftige Motor in Falle eines Crashs ziemlichen Bruch verursacht. Wer einen geeigneten Flugplatz hat für den ist das der ideale Einstiegshubschrauber, der ihn bis zum 3D Kunstflug begleiten wird. Es gibt viele gleichwertige Modelle wie z.B.: Vario-SkyFox, Graupner-UNI, X-Cell, Robbe-Futura usw.
Vorteile:
* große Modellauswahl
* meist saubere und präzise Verarbeitung
* einfacher zu fliegen als kleinere Hubis
* preiswerter Antrieb
* gut zum Fliegenlernen geeignet
Nachteile:
* Wegen Verbrennungsmotor meist nur auf Modellflugplätzen fliegbar
* teurere Anschaffungskosten, kräftige Servos notwendig
* bei den meisten Crashs bruchgefährdet

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